Zusammenfassung

In Folge 79 des Kriya Yoga Podcast Deutsch widmest du dich Rudolf Steiner und fragst, welche Bedeutung sein Werk für einen Kriya-Yoga-Praktizierenden haben kann.

Zunächst zeichnest du Steiners Lebensweg nach: seine Kindheit im damaligen Österreich-Ungarn, seine naturwissenschaftliche Ausbildung, sein Interesse an Goethe und seine Tätigkeit in Weimar. Du beschreibst seinen Weg vom wissenschaftlich-philosophischen Denken hin zu einer zunehmend geistig-spirituellen Arbeit. Eingefügter Text

Ein wichtiger Abschnitt behandelt Steiners Verbindung zur Theosophischen Gesellschaft. Du schilderst seine Vortragstätigkeit, seine frühen geistigen Erfahrungen und seine zunehmende Stellung innerhalb der theosophischen Bewegung. Außerdem gehst du auf die Auseinandersetzung um Krishnamurti ein, die schließlich zur Trennung und zur Entstehung der Anthroposophie führte. Eingefügter Text

Danach stellst du die große Bandbreite der anthroposophischen Impulse vor. Dazu gehören unter anderem Kunst, Architektur, Eurythmie, Landwirtschaft, Medizin, Pädagogik, Wirtschaft und Religion. Du gehst auf das Goetheanum in Dornach, Demeter, Weleda, die Waldorfpädagogik und die Christengemeinschaft ein. Eingefügter Text

Besonders ausführlich wird die Waldorfschule behandelt. Du schilderst ihre Entstehung aus dem Umfeld der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik und beschreibst Unterricht in Epochen, handwerkliche Tätigkeiten, Landwirtschaft und die besondere anthroposophische Architektur. Eingefügter Text

Im persönlichen Teil erzählst du von deiner intensiven Beschäftigung mit Rudolf Steiner in den 1990er- und 2000er-Jahren sowie von deiner Ausbildung am Waldorflehrerseminar. Steiner war für dich insbesondere deshalb interessant, weil du bei ihm ausführliche Darstellungen über Kosmos, Karma, Reinkarnation und die geistige Welt gefunden hast. Eingefügter Text

Dann kommt der eigentliche Bezug zum Kriya Yoga. Du beschreibst Steiner als wichtige Ergänzung, aber nicht als Ersatz für die spirituelle Praxis des Kriya Yoga. Nach deiner Auffassung könne Kriya Yoga die innere spirituelle Kraft und Standfestigkeit vermitteln, während Steiner zahlreiche Gedanken darüber liefert, wie geistige Impulse in Kultur und Gesellschaft hineingetragen werden können. Eingefügter Text

Du erwähnst außerdem Steiners Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ und vergleichst seine spirituellen Übungen mit den Techniken Yoganandas. Dabei bewertest du die Kriya-Yoga-Praxis als wesentlich wirksamer, hältst Steiners Gedankenwelt aber weiterhin für eine wertvolle Ergänzung. Eingefügter Text

Zum Schluss plädierst du für eine gegenseitige Öffnung: Kriya Yogis könnten von Steiner lernen, ihren geistigen Horizont zu erweitern, während Anthroposophen deiner Ansicht nach von Kriya Yoga profitieren könnten, um einen stärkeren praktischen Zugang zum Spirituellen zu entwickeln.

Strukturiertes Transkript

Rudolf Steiner und Kriya Yoga

24. Okt. 2026 · @Bernd

Eine Neunerfolge über Rudolf Steiner

Was hat der Begründer der Anthroposophie mit Kriya Yoga zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte. In dieser Folge des Kriya Yoga Podcast Deutsch erzähle ich von Rudolf Steiners Leben, von den Impulsen, die er in unsere Kultur gebracht hat – und davon, warum er für mich als Kriya-Yogi eine so wichtige Ergänzung geworden ist.

Liebe Freunde des Kriya Yoga, heute gibt es wieder eine Neunerfolge. Das heißt: eine Folge, die sich auf eine Person konzentriert, auf einen Guru, einen geistigen Lehrer. Diesmal ist Rudolf Steiner an der Reihe.

Ich weiß nicht, ob Rudolf Steiner heute noch jeder kennt. Inzwischen ist dieser Mann doch ein bisschen aus der Mode gekommen. Er ist nicht mehr so gefragt und nicht mehr so im Gespräch, wie das schon einmal war. Gelebt hat er von 1861 bis 1925 – er ist also gut hundert Jahre vor mir geboren und hat eine ziemlich umwälzende Zeit miterlebt. Wir sagen heute gern, unsere Zeit sei schnelllebig. Aber was die Menschen damals durchgemacht haben, war auch nicht gerade wenig: das Deutsche Kaiserreich, dann der Erste Weltkrieg, dann die Auflösung des Kaiserreichs.

Kindheit und Jugend in der k.u.k. Monarchie

Rudolf Steiner wurde noch in der österreichisch-ungarischen Monarchie geboren, der k.u.k. Monarchie – „kaiserlich und königlich“. Sein Vater war Bahnangestellter, und die Familie lebte gerade an einer Bahnstation in Kraljevec, einem Ort im heutigen Kroatien. Dort kam er zur Welt.

Aufgewachsen ist er südlich von Wien. Er hatte zwei jüngere Geschwister: eine Schwester, Leopoldine, und einen Bruder, Gustav, der gehörlos zur Welt kam und zeitlebens auf Pflege angewiesen blieb. Die Eltern schickten Rudolf auf die Realschule in Wiener Neustadt; dorthin musste er jeden Tag aus seinem Dorf pendeln.

Das ist bemerkenswert: Steiner besuchte kein Gymnasium im damaligen Sinne, also keine philologische Schule mit Latein und Griechisch, sondern eine Realschule, an der die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer im Vordergrund standen. Dort wurde er ausgebildet, und auch im anschließenden Studium an der Technischen Hochschule in Wien blieb dieser Schwerpunkt erhalten. Natürlich war er breit gebildet und vielseitig interessiert – aber er hatte von Anfang an einen wissenschaftlichen Zugang zu den Dingen.

Goethe-Forscher in Wien und Weimar

Im Studium fand Steiner jemanden, der ihn geistig führte: den Goethe-Kenner Karl Julius Schröer. Mit ihm arbeitete er zusammen, zu ihm entwickelte er ein persönliches Verhältnis – und Schröer war es auch, der ihm den Weg zur Goethe-Forschung ebnete.

Steiner gab die naturwissenschaftlichen Schriften Goethes heraus, zunächst noch von Wien aus und ab 1890 in Weimar, am Goethe- und Schiller-Archiv. Dort blieb er bis 1897, also rund sieben Jahre. In dieser Zeit schrieb er auch sein philosophisches Hauptwerk, die Philosophie der Freiheit (1894), und machte sich nach und nach einen Namen.

Interessant finde ich, dass er sich dabei nicht unbedingt mit den großen Koryphäen zusammentat. Er lebte lieber mit den Künstlern.

Berlin: Literat, Dozent, Ehemann

Aus Weimar ging Steiner nach Berlin, um dort gemeinsam mit einem Partner eine literarische Zeitschrift herauszugeben, das Magazin für Litteratur. Die Last der Arbeit blieb allerdings vor allem an ihm hängen. Er bewegte sich in Kreisen, in denen getrunken und geraucht wurde, und er hat offensichtlich auch selbst geraucht und dem Alkohol zugesprochen. In welchem Maß, kann ich nicht sagen – manche meinen: schon ziemlich.

In Berlin ließ er sich dann für Vorträge engagieren, unter anderem an der Arbeiterbildungsschule der SPD, wo er, soweit ich weiß, zweimal in der Woche unterrichtete, etwa über Literatur.

Eine Ehe unter Bedingungen

In dieser Zeit war er auch verheiratet. Das kam so: In Weimar hatte er bei einer alleinerziehenden Frau mit mehreren Kindern gewohnt. Dort ging es ihm ziemlich gut, sie führte ihm auch ein wenig den Haushalt. Als er nach Berlin zog, bat er sie, nachzukommen und ihm dort den Haushalt zu führen – vermutlich herrschte bei ihm ein wenig Unordnung, das kann ich mir vorstellen. Die Frau schrieb zurück: Ja, aber nur unter der Bedingung, dass Sie mich heiraten. So zog sie zu ihm, mit der jüngsten Tochter; die anderen Kinder waren inzwischen aus dem Haus. Ich glaube, die Frau war sogar älter als Steiner. Sie und die Tochter begleiteten ihn auch zu seinen Vorträgen und hörten zu.

Vorträge aus dem Stegreif

Steiner war damals etwa 39, 40 Jahre alt. Bemerkenswert war seine Fähigkeit, völlig frei zu sprechen. Bei seinem ersten Auftritt an der Arbeiterbildungsschule dachten die Leute, er werde sicher das akademische Viertel einhalten – drei Minuten vor Beginn war er nämlich noch nicht da. Doch dann kam er pünktlich mit Frau und Stieftochter an, organisierte ihnen noch die Sitzplätze und begann aus dem Stegreif, ohne ein einziges Blatt Papier.

Von der Theosophie zur Anthroposophie

In Berlin wurde Steiner auch von Theosophen eingeladen, Vorträge zu halten – obwohl er von der Theosophischen Gesellschaft zunächst wenig hielt und teilweise sogar über sie lästerte. Esoteriker wurden damals vom Bürgertum noch schiefer angeschaut als heute, und es lief dort auch nicht alles ganz sauber ab. Welche Gestalten sich da zusammenfanden – das war natürlich schnell angreifbar.

Seine Vorträge handelten von der europäischen, insbesondere der deutschen Mystik: von Meister Eckhart über Jakob Böhme bis Giordano Bruno. In einer Reihe von Abenden nahm er sich jeweils eine dieser Gestalten vor. Weil er so frei und kenntnisreich sprechen konnte, war er bald hoch angesehen, knüpfte Kontakte und wuchs Schritt für Schritt in diese Kreise hinein.

Geistige Fähigkeiten von Kindheit an

Dazu kam, dass Steiner selbst geistige Fähigkeiten hatte, mit denen er offenbar schon zur Welt gekommen war. In seiner Autobiografie Mein Lebensgang, die er kurz vor seinem Tod schrieb, erzählt er von frühen geistigen Erlebnissen. So sah er etwa, wie eine Verwandte starb. Er erzählte es zu Hause, doch man schaute ihn nur verständnislos an und hielt ihn für einen Spinner. Also hielt er sich zurück. In der damaligen Zeit war es schwierig, solche Fähigkeiten preiszugeben. In der Theosophischen Gesellschaft fand er schließlich Wege, etwas daraus zu entwickeln.

Was er entwickelte, war vor allem dies: Er brachte immer mehr geistiges Wissen, geistige Grundtatsachen und geistige Logik in die verschiedenen Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens hinein. Er ließ sich inspirieren, griff Themen auf und gab ihnen geistige Impulse.

Steiner und die Bhagavad Gita

Zunächst diente er sich in der Theosophischen Gesellschaft hoch und beackerte verschiedene, eher spirituelle Themen: Jesus, Christus, die Rosenkreuzer, Goethe und den Faust – und auch einiges Hinduistisches. So hielt er Vortragszyklen über die Bhagavad Gita. Ich habe sie mir angeschaut und musste feststellen, dass sie im Vergleich zu dem, was Yogananda über die Bhagavad Gita geschrieben hat, doch relativ oberflächlich sind. In einigen Vorträgen wird manches erklärt – aber das ist natürlich nichts im Vergleich zu Yoganandas zweibändigem Kommentar mit weit über tausend Seiten. Steiner hatte zwar auch hier den Durchblick und hat Bedeutendes gesagt, aber nicht so Umwerfendes wie in vielen anderen Bereichen.

Der Bruch über Krishnamurti

Steiner wurde Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. International aber spielte er eine untergeordnete Rolle. Dort gaben Annie Besant, Charles Leadbeater und andere den Ton an, die noch mit den Gründern zusammengearbeitet oder sie gekannt hatten; Helena Blavatsky war zu dieser Zeit bereits gestorben.

Um 1911 erkoren Besant und Leadbeater den jungen Inder Jiddu Krishnamurti zum künftigen Weltenlehrer vom Range eines Jesus. Sie wollten ihn aufbauen und möglicherweise auch vermarkten und setzten darauf, dass das einmal das große Ding würde. Steiner stellte sich entschieden dagegen und nannte das Unsinn. Der Konflikt endete 1913 mit dem Ausschluss der deutschen Sektion aus der Theosophischen Gesellschaft.

Da waren es schon über 2.000 Mitglieder, und die allermeisten folgten Steiner. Dann machen wir eben unser eigenes Ding, sagte er sich. Statt Theosophie – von theos, Gott, und sophia, Weisheit, also die Weisheit von Gott – nannte er seine Bewegung nun Anthroposophie: von anthropos, der Mensch, also die Weisheit vom Menschen. Er richtete den Blick stärker auf das Irdische und versuchte, wie gesagt, geistige Impulse in die verschiedensten Lebensbereiche seiner Zeit zu tragen: von der Medizin über Malerei, Bildhauerei und Musik bis hin zu Dramaturgie, Literatur, Architektur und der Tanzkunst – der Eurythmie.

Das Goetheanum in Dornach

Eigentlich wollte Steiner in Deutschland bauen. In München beantragte er, sein Zentrum errichten zu dürfen, und offenbar hatte er auch genug Geld dafür. Aber die Münchner Banausen wollten ihn natürlich nicht haben. Steiner nahm das gelassen. Man erzählt sich, er habe schon vorausgesehen, dass München einmal schwer zerstört werden würde und dass mit der NS-Zeit Dunkles bevorstand. Deshalb sei es ihm ganz recht gewesen, in die Schweiz ausweichen zu müssen. So blieb sein Werk dort auch vom Ersten Weltkrieg weitgehend unberührt.

In Dornach fanden sich freie Geister aus aller Herren Länder zusammen, um ein anthroposophisches Zentrum aufzubauen: das erste Goetheanum. Es war ein Holzbau mit einer Doppelkuppel – etwas ganz Außergewöhnliches. Kuppeln gab es viele, aber eine Doppelkuppel war schwierig zu berechnen. Steiner hatte dabei wohl etwas Hilfe, vieles machte er aber selbst. Unendlich viel Arbeit steckten die Menschen in die Schnitzereien, und Gönner unterstützten sie mit Holz und Geld.

Der Brand in der Silvesternacht

In der Silvesternacht 1922/23 brannte das Goetheanum ab. Vermutlich war es Brandstiftung, denn die neue Bewegung hatte viele Feinde. Was genau geschah, wurde nie aufgeklärt. Offenbar hatte jemand, der sich auskannte, Brandbeschleuniger angebracht. Als man das Feuer bemerkte, war schon nichts mehr zu retten. Steiner bewahrte Geistesgegenwart und nahm noch Bestand auf, was als Beweismittel für die Versicherung wichtig sein könnte.

Das zweite Goetheanum wurde dann nicht mehr aus Holz, sondern aus Beton gebaut. Beton lässt sich ja in die verschiedensten Formen gießen. Dieser markante Bau steht heute noch in Dornach.

Reisen und Vortragszyklen

Schon seit 1902 reiste Steiner unermüdlich: nach England, hinauf nach Skandinavien, durch das damals größere Deutschland bis nach Posen und Königsberg, natürlich auch nach Österreich. Überall hielt er Vortragsreihen zu bestimmten Themen.

Geistige Impulse für die Welt

Biologisch-dynamische Landwirtschaft

Steiner hielt auch Vorträge zur Landwirtschaft. Er hatte bemerkt, dass mit der Industrialisierung und der Erfindung künstlicher Düngemittel etwas auf unsere Kultur zukam: dass unsere Nahrungsmittel immer mehr verflachen. Also regte er schon damals einen ökologischen Landbau an. Er ist eigentlich der Urvater aller Bio-Waren, die wir heute haben. Seine Ideen wurden später in abgewandelter Form von vielen anderen Richtungen aufgenommen und weiterentwickelt. Vor allem aber steht er hinter Demeter – und hinter Weleda, einer Firma, die Körperpflegeprodukte und Heilmittel auf natürlicher Grundlage entwickelt.

Die Dreigliederung der Gesellschaft

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland das Kaiserreich abgeschafft, und es ging um einen Neubeginn: Wie sollte sich Deutschland ausrichten? Es gab die verschiedensten Bewegungen, etwa heimgekehrte Soldaten, die ein strenges Regime wollten. Steiner warb für die Dreigliederung des sozialen Organismus und entwickelte auch Impulse für die Wirtschaft: wie man auf geistigen Grundlagen gut miteinander wirtschaftet. Dazu hielt er Vorträge, und es gab sogar Attentatsversuche auf ihn. Durchsetzen konnte sich die Idee nicht.

Die Waldorfschule

Etwas anderes aber schon. Einer von Steiners Anhängern war Emil Molt, Leiter der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria in Stuttgart. Er bat Steiner, für die Kinder seiner Arbeiter eine Schule zu entwerfen. Steiner nahm das freudig auf und griff dabei Konzepte der damaligen Reformschulen auf. Davon gab es viele – Steiners Art der Reformschule wurde die Waldorfschule, benannt nach jener Zigarettenfabrik.

Dabei entwarf er ganz neue Formen des Unterrichts:

  • Epochenunterricht: Drei, vier Wochen lang steht ein Hauptthema im Mittelpunkt, das jeden Morgen zwei Stunden lang behandelt wird. Danach wechselt die Epoche.
  • Handwerk in der Schule: Die Schüler werden an handwerkliches Arbeiten herangeführt, etwa in Schmieden, wo sie mit Eisen und Öfen experimentieren konnten. Auch Ackerbau und Viehzucht wurden an der Schule betrieben.
  • Eigene Architektur: Die anthroposophische Baukunst versucht, den rechten Winkel zu vermeiden. Was im normalen Bürgertum das A und O ist – der heilige rechte Winkel –, ist bei den Anthroposophen verpönt. Fenster, Türen, Ecken: Nichts soll allzu rechtwinklig sein. Dabei sind ganz interessante Schulgebäude entstanden. Manche Waldorfschulen sind allerdings auch in Gebäuden untergebracht, die weniger schön oder ausgefallen sind.

Anthroposophische Medizin und Heilpädagogik

In der anthroposophischen Medizin entstanden neue Arzneimittel, die auf Mineralien und Mineraliengemischen beruhen. Auch die Homöopathie wurde stark vertreten.

Außerdem entwickelte Steiner Therapieformen für Menschen mit geistiger Behinderung. Er hatte ja selbst einen Bruder, der auf Pflege angewiesen war, und konnte dort schon früh Erfahrungen sammeln. Als junger Student verdiente er sich zudem Geld als Hauslehrer in einer jüdischen Familie. Dort betreute er einen jungen Mann, der als schwer förderbar galt. Steiner gelang es, dass dieser ein relativ normales Leben führen konnte. Sein Wissen gab er später weiter, und so gibt es bis heute anthroposophische Einrichtungen mit besonderen Ansätzen für Menschen mit seelischen und geistigen Beeinträchtigungen.

Auch im Hochschulwesen wirkten seine Anregungen nach. Die private Universität Witten/Herdecke etwa ist aus einem anthroposophisch geprägten Umfeld hervorgegangen. Wie sie sich inzwischen entwickelt hat, weiß ich nicht.

Die Christengemeinschaft

Schließlich wirkte Steiner auch im Bereich der Religion. Vor allem evangelische Pfarrer kamen zu ihm und fragten, wie eine Religion heute eigentlich aussehen müsste. Daraus entstand die Christengemeinschaft. Sie ist meines Wissens nicht sehr groß, lebt aber noch: In größeren Städten gibt es ihre Kirchen, besucht wohl vor allem von Anthroposophen.

Ich selbst bin leider nie dazu gekommen, mir das anzusehen. Von etwa 1993 bis 1996 habe ich intensiv Rudolf Steiner gelesen. Ich wollte Waldorflehrer werden, habe noch einmal studiert und war dann 13 Monate am Seminar für Oberstufenlehrer in Stuttgart. Ich habe sogar auf der Uhlandshöhe gewohnt. Aber ich war irgendwie zu faul, einmal früh aufzustehen und in den Gottesdienst zu gehen – obwohl der Ort gar nicht weit entfernt war und ich ihn mir schon herausgesucht hatte. Aber gut.

Was hat Rudolf Steiner mit Kriya Yoga zu tun?

Ich bin 1987/88 zum Kriya Yoga gekommen und habe ihn seither immer praktiziert. Damals waren viele Schriften Yoganandas noch nicht erschienen: Sein Kommentar zur Bhagavad Gita kam auf Englisch erst Mitte der 1990er-Jahre heraus, der Kommentar zu den Evangelien erst in den 2000er-Jahren.

Natürlich hat Yogananda schon in seinen Lehrbriefen sehr viel darüber vermittelt, wie man Kriya Yoga lebt – also nicht nur die Techniken übt, sondern sie in sein Leben hineinwebt. Diese Lehrbriefe habe ich so ziemlich alle durchgearbeitet. Aber mir fehlte noch etwas: das Verständnis der höheren geistigen Welten.

Das Wissen, nach dem ich mich gesehnt habe

Genau hier hat Rudolf Steiner viel zu bieten. Er hat über den Aufbau des Kosmos gesprochen, über seine Entstehung und Weiterentwicklung über Äonen hinweg. Danach hatte ich mich gesehnt; das war ein Wissen, das ich noch haben wollte. Er hielt auch ganze Vortragszyklen über karmische Zusammenhänge: über Persönlichkeiten, die einmal gelebt haben, und wie sich ihr Weg durch verschiedene Inkarnationen verfolgen lässt. Diese Zusammenhänge wollte er anschaulich machen.

Das alles hat mich brennend interessiert, und ich habe es bei Rudolf Steiner gefunden. Wenn ich von mir ausgehe, ist er deshalb eine sehr gute Ergänzung zum Kriya Yoga.

Geistige Impulse in die Welt tragen

Dazu kommt noch etwas: Steiner hat vorgemacht, wie man Impulse aus der geistigen Welt in die materielle Welt hineintragen kann. Er ist Anschauungsmaterial und Anleitung zugleich. Wer durch das Praktizieren von Kriya Yoga geistige Kraft gewinnt, kann bei ihm lernen, im Geistigen selbstbewusst zu werden – und dann ebenso selbstbewusst seine Ideen in das Leben, in das Land, in die Gesellschaft hineinzubringen.

Außerdem hat er mich auf viele Bereiche hingewiesen, die ich sonst wahrscheinlich nie berührt hätte, etwa Geschichte oder Geologie. Beim Lesen habe ich immer versucht, seine Aussagen mit wissenschaftlicher Literatur zu überprüfen: Inwieweit stimmt das? Wie plausibel ist es? Lässt es sich irgendwie stützen? Das war auch der Anlass, warum ich noch einmal Geschichte, Literaturwissenschaft und Erdkunde studiert habe. Das hat mich sehr bereichert und war eine wichtige Epoche meines Lebens: zunächst drei Jahre in den 1990er-Jahren, dann noch einmal etwa zwei Jahre in den 2000ern.

Ein Freund auf geistiger Ebene

Rudolf Steiner ist mir persönlich ein ganz enger Freund. Auf der irdischen Ebene habe ich relativ wenige Freunde. Aber ich habe sehr viele mir nahestehende geistige Persönlichkeiten, mit denen ich sprechen kann und mit denen ich mich tief verbunden fühle. Steiner ist einer der engsten.

Sein Leben habe ich sehr ausführlich studiert. Es ist außergewöhnlich gut dokumentiert, bis hin zu einer Chronik, die sein Leben Tag für Tag nachzeichnet, und unzähligen Berichten von Zeitzeugen – ähnlich wie bei Yogananda. Auch Yogananda ist ein Freund von mir, ebenso Goethe, über den es ebenfalls sehr viel gibt: zuerst das, was er selbst geschrieben hat, und dann, was über ihn geschrieben wurde.

Da kann man sich hineinvertiefen. Und wenn man auf der irdischen Ebene keine Freunde hat, so hat man doch immer Gesprächspartner – je nachdem, wie weit man sich auf diesen Ebenen öffnen kann.

Steiners Übungsweg und der Kriya Yoga

Deshalb kann ich nur sagen: Als Kriya-Yogi sollte man ruhig breiter aufgestellt sein, nicht nur auf Yogananda bezogen. Natürlich konzentriert man sich zuerst auf ihn. Aber um eine breitere Standfestigkeit zu gewinnen, ist es gut, auch solche Lehren zur Hand zu nehmen und sich hineinzuvertiefen. Ich weiß nicht, ob das heute noch ankommt. Für mich war es damals sehr aufschlussreich und beglückend, mich intensiv damit beschäftigen zu können. Ich kann jedem nur empfehlen, einmal über den Tellerrand zu schauen.

Die spirituelle Praxis sollte dabei immer der Kriya Yoga bleiben. Zwar hat auch Steiner Anleitungen gegeben, wie man sich dem Geistigen nähern kann, etwa in seinem Buch Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?. Er empfiehlt zum Beispiel, sich am Abend rückwärts an den Tag zu erinnern: nicht chronologisch, sondern von der Gegenwart aus zurück. Auch mit den Träumen soll man so arbeiten. Das ist durchaus wertvolles Material. Aber im Vergleich zu dem, was man bei Yogananda erhält, ist es meiner Ansicht nach relativ minderwertig.

Die Zeit war noch nicht reif

Die Zeit war, zumindest in Westeuropa, noch nicht reif. Der Kriya Yoga kam 1861 durch Lahiri Mahasaya in die Welt – ausgerechnet in Steiners Geburtsjahr. Yogananda wurde 1893 geboren. Theoretisch hätte Rudolf Steiner also schon vom Kriya Yoga erfahren können. Praktisch war es aber so gut wie unmöglich, dorthin zu finden.

Was Anthroposophen vom Kriya Yoga gewinnen könnten

Meiner Ansicht nach könnten sich Kriya-Yogis ruhig ein bisschen von Rudolf Steiner beglücken lassen. Genauso wäre es aber sinnvoll und gut, wenn Anthroposophen den Kriya Yoga ein wenig aufnehmen würden. Damit könnten sie eine geistige Standfestigkeit heranbilden, mit der sie Steiners Lehren auch besser vertreten könnten.

Denn was ich bei der Waldorfschule festgestellt habe: Von Rudolf Steiner ist da gar nicht mehr so viel die Rede. Die Bewegung hat sich weiterentwickelt, aber einen echten Zugang zu Steiner haben dort relativ wenige. Kritiker stellen es gern so hin, als sei das Ganze sektenartig. Vielleicht wollen die Waldorfschulen ihn auch deshalb nicht so in die Öffentlichkeit tragen. Sicher gibt es einige Enthusiasten, die sich in Steiners Schriften hineinsteigern, sie im Schulalltag leben wollen und den Schülern vielleicht auch ein wenig unterzujubeln versuchen. Aber die Regel ist heute, glaube ich, dass von Steiner relativ wenig weitergegeben wird. Das Besondere seiner Fähigkeiten kommt gar nicht mehr zum Tragen.

Es ist inzwischen ziemlich verweltlicht. Die meisten Lehrer – nicht nur die Schüler – haben ganz wenig Zugang zum Geistigen. Deshalb wäre es für sie sehr sinnvoll, geistige Übungen wie Yoganandas Kriya-Yoga-Techniken oder allgemein spirituelle Yoga-Übungen heranzuziehen. So könnten sie sich spirituell weiterbilden und Rudolf Steiner möglicherweise selbst wieder besser verstehen.

Ein Erbe, das mehr Würdigung verdient

So weit meine kurze Zusammenfassung zu Rudolf Steiner und seinem Beitrag zu unserer Kultur. Dieser Beitrag ist sehr wesentlich und wird heute, glaube ich, gar nicht so honoriert, wie er es müsste. Hätte Steiner diese Impulse nicht gegeben, wäre sicher einiges anders gelaufen – und es sähe heute wohl noch düsterer aus.

Es gibt immer Kritiker, die ihm aus unserer heutigen Perspektive etwas vorhalten, was man aus dem Wissen seiner Zeit heraus gar nicht kritisieren kann. Was er gemacht hat, ist für mich eigentlich sauber und nicht angreifbar. Nur wenn man die Dinge mit Gewalt verdrehen will, kommt man zu Vorwürfen wie dem, er sei ein Rassist oder Antisemit gewesen – was ich für völligen Blödsinn halte. Aber so ist es eben in unserer Gesellschaft, und damit müssen sich die Anthroposophen auseinandersetzen.

Kritik ist ja nicht schlecht. Man muss sie nur aufnehmen und mit ihr umgehen können. Ich denke, was Rudolf Steiner geschaffen hat, wird weiterwirken. Und wenn die Anthroposophen einmal auf den Geschmack kommen, auch den Kriya Yoga für sich nutzbar zu machen, dann lassen sich Steiners Anregungen für unsere Welt noch besser in die Gesellschaft hineintragen.

Das sei es für heute. Hari Om Tat Sat. Alles Gute, ciao.

Leicht überarbeitetes Transkript

Liebe Freunde des Kriya Yoga, heute wieder eine Folge im Kriya Yoga Podcast und eine Neunerfolge. Das heißt, es ist eine auf eine Person, auf einen Guru, auf einen geistigen Lehrer konzentrierte Folge und diesmal kommt Rudolf Steiner dran.

Also: „Rudolf Steiner und Kriya Yoga“. Was kann man da zu sagen?] Ich weiß nicht, ob Rudolf Steiner noch jeder kennt. Denn inzwischen ist dieser Mann doch schon ein bisschen aus der Mode gekommen. Er ist nicht mehr so gefragt, nicht mehr so im Gespräch, wie das schon mal war. Also er hat gelebt von 1861 bis 1925 war das.

Er ist also gut 100 Jahre älter als ich oder früher geboren als ich und hat eine ziemlich umwälzende Zeit auch miterlebt. Also wir sagen, ja bei uns ist die Zeit ziemlich schnelllebig. Aber was damals die Leute durchgemacht haben, das ist ja auch nicht gerade wenig.

Kaiserreich, deutsches Kaiserreich und dann ging es in den Ersten Weltkrieg und dann wurde das Kaiserreich aufgelöst. Das ist auch ziemlich viel, was da los war.

Also dieser Rudolf Steiner der ist noch geboren im österreichischen Kaiserreich, wie hieß das? Die K&K Monarchie, also könig-kaiserliche Monarchie Österreich Ungarn und er war da gerade mit seinem Vater, mit seiner Familie in Kraljevec, also in einem Ort im heutigen Kroation, an einer Bahnstation.

Dort kam er zur Welt, aufgewachsen ist er in der Nähe von Wien. Dort ist er groß geworden, ging zur Schule und dort in die Realschule. Er hatte mehrere Geschwister, einer davon war, soweit ich weiß, geistig behindert. Dann hatte er noch zwei Schwestern, der Vater war also ein Bahnangestellter.

Die schickten ihn dann auf die Realschule. Dazu ist er immer nach Wien gefahren. Danach hat er dann studiert.

Er hatte beim Studium jemanden, der ihn geistig geführt hat und das war ein Goethe-Kenner, Schröer war sein Name. Mit dem hat er zusammengearbeitet, mit dem hat er auch ein persönliches Verhältnis entwickelt und der hat ihn dann auch nach Weimar vermittelt.

Rudolf Steiner ist ja auf eine Realschule, auf ein Realgymnasium, kein philologisches, also kein Gymnasium im damaligen Sinne, sondern eine Realschule gegangen, wo es halt mehr um die technischen Flächer ging.

Da ist er ausgebildet worden und auch später im Studium war dann noch … Gut, er ist natürlich breit gebildet, er hat natürlich vielfältige Interessen gehabt. Aber er hat zumindest einen wissenschaftlichen Zugang gehabt, auch bei Goethe und er hat dann die wissenschaftlichen Schriften oder die naturwissenschaftlichen Schriften von Goethe herausgegeben, in Weimar.

Er war dann, glaube ich, so fast zehn Jahre in Weimar. Er hat dann auch eine philosophische Schrift verfasst, die Philosophie der Freiheit in den 90er Jahren und hat sich dann schön langsam auch einen Namen gemacht.

Er war Herausgeber dann einer Zeitschrift, ist dann, nachdem er in Weimar war, einige Jahre, er hat Goethes Schriften herausgegeben und hat eben mitgewirkt und da ist er in den Kreis von diversen Leuten gekommen.

Also er hat sich immer nicht unbedingt mit diesen Hochgeistigen und anderen Koriphäen zusammengetan, er hat mehr mit den Künstlern zusammengelebt und ist dann nach Berlin, um da zusammen mit jemandem anderen diese literarische Zeitschrift herauszugeben. Aber die Last der Arbeit ist vor allen Dingen bei ihm hängen geblieben.

Er war halt damals in Kreisen, wo er dann auch getrunken wurde, geraucht wurde und er hat dann auch offensichtlich geraucht und dem Alkohol etwas zugesprochen. Inwieweit, kann ich jetzt nicht sagen. Aber manche sagen: schon ziemlich.

Dann erst, als er in Berlin war, da hat er dann auf Vortrags-Tätigkeiten, also er hat sich für Vortrags-Tätigkeiten engagieren lassen, zu verschiedenen Anlässen: Also in der Arbeiterbildungsschule für die SPD, wo er zweimal in der Woche, glaube ich, Vorträge einmal über Literatur und dann noch etwas dort gehalten hat.

Er war dann auch verheiratet, zu der Zeit. Das kam nämlich so: Er hat in Weimar bei einer Familie gelebt, einer alleinerziehenden Frau mit mehreren Kindern. Dort ging es ihm ziemlich gut, sie hat ihm dann auch so in den Haushalt ein bisschen gemacht und als er dann nach Berlin gezogen ist, um diese Zeitschrift herauszugeben, da hat er dann diese Frau gebeten, ob sie nicht zu ihm kommen wollte, um ihm den Haushalt zu führen, weil da möglicherweise ein bisschen Unordnung war, kann ich mir vorstellen.

Dann hat diese Frau ihm geschrieben, ja unter der Bedingung, dass sie mich heiraten, werde ich da hinkommen. Dann ist die Frau zu ihm gezogen, ich glaube mit der jüngsten Tochter, die anderen waren dann inzwischen schon aus dem Haus. Ich glaube, die Frau war sogar älter als Steiner.

Dann hat er mit der da zusammengelebt und die ist dann auch mit ihm und die letzte Tochter, die noch da war, die sind dann mit ihm auch teilweise zu diesen Vorträgen gegangen, haben da mit zugehört.

Also da war er dann schon so 39, 40 und dann ist er eben, als er in Berlin war auch von der Theosophischen Gesellschaft engagiert worden, er hat von dieser Theosophischen Gesellschaft eigentlich wenig gehalten.

Er hat da teilweise auch gelästert, also das waren wie auch heute natürlich diese Esoteriker, die werden vom normalen Bürgertum ein bisschen schief angeschaut und damals wahrscheinlich noch schiefer als heute und da ist ja auch nicht alles ganz sauber, was da abläuft und damals natürlich auch nicht, welche Gestalten sich da zusammengefunden haben.

Das war natürlich schnell angreifbar. Aber dadurch, dass es zu dieser Vortragstätigkeit dann gekommen ist und das ging, soweit ich mich erinnere, um die europäische Mystik oder die deutsche Mystik, also um Thomas von Aquin und verschiedenen anderen Sachen, dann Giordano Bruno und diese ganzen Leute da.

Also da hat er dann, glaube ich, in einer Folge von 10 – 20 Anlässen dann jeweils eine vorgenommen. Er hat dann über diese referiert. Also er konnte aus dem Stegreif seine Vorträge halten.

Also er ist dort angekommen, also bei der Arbeiterbildungsschule beim ersten Mal haben die Leute gedacht, ja der wird jetzt sicher seine 15 akademischen Minuten da einhalten und eben 15 Minuten später anfangen, weil er drei Minuten vor dem Termin noch nicht da war.

Aber dann ist er angekommen mit der Stieftochter und mit der Frau, drei Minuten vorher. Er hat dann noch den Sitzplatz organisiert und hat dann aus dem Stegreif eben angefangen, hat kein Blatt genutzt und deswegen war er dann auch angesehen bei dieser Theosophischen Gesellschaft und hat dann diese Leute eben kennengelernt, Verbindungen geschlossen, Kontakte geschlossen und da kam er dann schön langsam rein, weil er selbst auch eben geistige Fähigkeiten hatte oder mit denen schon zur Welt gekommen ist.

Er erzählt in seinem Lebensgang, den er dann kurz vor seinem Ableben geschrieben hat, auch von seinen frühen geistigen Erlebnissen, also er hat zum Beispiel gesehen, wie eine Verwandte von ihm gestorben ist.

Er hat es auch gesagt, zu Hause. Aber die haben ihn dann bloß blöd angeschaut und haben gedacht, er spinnt und er hat sich natürlich dann auch zurückgehalten und in der Zeit damals war es natürlich schwierig, da solche Fähigkeiten irgendwie preiszugeben oder die zu offenbaren, aber in der theosophischen Gesellschaft hat er dann eben Wege gefunden, daraus etwas zu entwickeln.

Was er entwickelt hat, das war eben, dass er immer mehr geistige, geistiges Wissen- und geistige Grundtatsachen, geistige Logik hereingebracht hat in die verschiedenen Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens. Er hat sich selbst inspirieren lassen und hat verschiedene Themen aufgegriffen, um da halt geistige Impulse reinzubringen.

Es fing halt an, dass er da zuerst mal in dieser theosophischen Gesellschaft aufgestiegen ist. Er hat zuerst einmal ein bisschen gedient, hat da eben verschiedene Themen beackert. Es ging Jesus, um mehr so spirituelle Themen, auch ein bisschen hinduistische, also soweit ich weiß, hat er einen Vortrag über die Bhagavad Gita zum Beispiel auch gehalten.

Ich habe mir den dann auch mal angeschaut, musste aber feststellen, dass sie doch im Vergleich zu dem, was ein Yogananda über die Bhagavad Gita schreibt, ist es doch relativ oberflächlich. Es ist halt in zwei, drei Vorträgen vielleicht ein bisschen etwas erklärt, aber das ist natürlich nichts im Vergleich zu zwei Bänden, mit insgesamt vielleicht 2000 Seiten, die dazu Yogananda verfasst hat.

Aber er hat zumindest auch darin einen Durchblick gehabt und hat auch Bedeutendes schon gesagt. Aber eben nicht so Umwerfendes, wie in vielen anderen Bereichen.

Also er hat auch über Christus, über die Rosenkreuzer, über Goethe hat er Vorträge gehalten, über Faust und dergleichen. Das hat er auch, glaube ich, schon relativ früh dann gemacht.

Aber so um 1911, 12 herum, er war in der Theosophischen Gesellschaft etwas niederrangiger. Er ist zwar in Deutschland, glaube ich, der Vorsitzende dieser Theosophischen Gesellschaft geworden, aber da waren diese Anni Besant, Leadbeater und noch andere Größen, die noch mit den Gründern dieser Theosophischen Gesellschaft zusammen waren, oder die diese noch kannten.

Ich glaube, die Blavatski, die war dann schon gestorben zu der Zeit. Aber da hatte halt Rudolf Steiner immer eine untergeordnete Rolle und Leadbeater und Anni Besant und andere, die haben dann eben um 1911 herum den Krishnamurti als zukünftigen Weltenlehrer vom Range eines Jesus auserkoren und wollten den halt pushen und möglicherweise vermarkten in der Weise und haben sich darauf verlegt, dass das einmal das große Ding wird.

Rudolf Steiner hat sich dagegen gestellt und hat gesagt: Nein, das ist ein Blödsinn und hat sich dann eben soweit dagegen gestellt, ich glaube, die wurden sogar alle dann herausgeschmissen aus der Theosophischen Gesellschaft.

Das waren da schon 2000, 3000 Mitglieder und dann hat er halt gesagt: Gut, dann machen wir unser eigenes Ding. Dann hat er das nicht mehr Theosophische Gesellschaft genannt, also Theos ist der Gott, also Gott bezogen, theosophische, das Wissen, Sophie, die Weisheit um Gott, statt Theosophie hat er das Anthroposophie genannt. Anthropos, das ist der Mensch, also die Weisheit des Menschen.

Er hat dann eben mehr irdisch fokussiert, versucht eben, wie ich ja schon gesagt habe, geistige Impulse in verschiedene Lebensbereiche der damaligen Zeit zu bringen und das waren halt ganz verschiedene.

Also der von der Medizin über die Kunst, also Malerei, Bildhauerei, dann Musik auch, dann auch Dramaturgie, auch Literatur und eben Tanzkunst, die Eurhythmie überall hat er da Impulse reingebracht und ja auch Architektur natürlich auch.

Er hat dann in Dornach … Er wollte eigentlich in Deutschland bauen, in München hat er beantragt, da bauen zu dürfen, seinen Zentrumsmittelpunkt. Er hatte auch offensichtlich genügend Gelder, aber die Münchner, die Banausen, die haben ihn natürlich nicht haben wollen und er hat das aber auch gern aufgenommen.

Da Rudolf Steiner das schon vorausgesehen hat oder so sagt man zumindest, dass München einmal ziemlich zerstört werden würde und mit der Nazizeit und dergleichen, das hat er schon kommen sehen in gewisser Weise und deswegen war es ihm ganz recht, dass er dann in die Schweiz ausweichen musste und so war er dann auch zur Zeit des ersten Weltkrieges nicht betroffen.

So haben sich dann in Dornach, aus allen Herrenländern, haben sich dann freie Geister zusammengefunden, um dort ein Anthroposophisches Zentrum aufzubauen in Form eines Bauwerks, des ersten Goetheanums, ein Holzbau mit Doppelkuppeln, also etwas ganz Außergewöhnliches eigentlich.

Kuppeln gab es ja schon mehrere, aber eine Doppelkuppel, das war dann auch schwierig zu berechnen, ich glaube, Rudolf Steiner hatte auch ein bisschen Hilfe. Aber vieles hat er auch selber gemacht und sie haben da eben seinen Bau hochgezogen, ganz aus Holz mit vielen Schnitzereien, haben sie also unendlich viel Arbeit reingesteckt, hatten auch natürlich Gönner, die sie unterstützt haben mit Holz und mit Geld auch.

Dann wurde er eben errichtet und Rudolf Steiner hat halt seine Vorträge gehalten und was er auch schon …

Seit 1902 ist er schon rumgereist in ganz verschiedenen Ländern, also erst nach England, nach Skandinavien hoch, Deutschland natürlich war damals größer, in Posen, in Kaliningrad, also wie hieß das damals? Königsberg. Ich glaube, da war er auch schon. Dann natürlich in Österreich, also ganz verschiedene Städte und da er jeweils dann Vortragsreihen zu bestimmten Themen gehalten.

Er hat dann auch zum ökologischen Landbau, hat er dann schon einen Vortrag gehalten, weil er auch gemerkt hat, die Industrialisierung auch mit diesen Düngemittelerfindungen, da hat er schon gesehen, dass damit etwas auf unsere Kultur zukommt, dass diese Nahrungsmittel immer mehr verflachen und er hat dann damals eben diesen ökologischen Landbau schon angeregt.

Also er ist eigentlich der Urvater von allen Bio-Waren, die wir heutzutage haben. Das wurde natürlich dann auch in abgewandelter Form dann in verschiedenen anderen Richtungen aufgenommen und weitergetrieben. Aber er steht vor allen Dingen hinter Demeter und auch hinter so Körperpflegeartikeln, die man dann auch auf natürlicher Grundlage entwickelt hat. Weleda heißt diese Firma und dann auch die Schule.

Also es war dann der erste Weltkrieg. Die Anthroposophische Gesellschaft, die hat gewirkt in Dornach und haben diesen Bau hochgezogen und nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland dieses Kaiserreich abgeschafft und dann war ein Neubeginn und dann ging es darum, wie sich Deutschland ausrichten sollte.

Dann gab es natürlich ganz verschiedene Richtungen, ganz verschiedene Bewegungen. Da gab es diese Soldatenheimkehrer, die damals ein strenges Regime durchführen wollten und Rudolf Steiner hat für ein System der „Dreigliederung der Gesellschaft“ geworben, wo er auch Impulse für die Wirtschaft dann entwickelt hat, wie man gut miteinander wirtschaftet auf geistigen Grundlagen, die drei Gliederung.

Dazu hat er Vorträge gehalten. Da gab es auch einige Attentatsversuche zumindest auf ihn. Aber das konnte sich dann eben nicht durchsetzen.

Aber was anderes schon. Also er hat ja viele Anhänger und einer war ein Zigarettenfabrikant von Waldorf Astoria, hieß diese Zigarettenmarke und die hatten in Stuttgart ein Werk und der Besitzer, der Eigentümer dieses Werks, dieser Zigarettenfabrik, der hat ihn gebeten, für die Kinder seiner Arbeiter doch eine Schule zu entwickeln oder zu entwerfen. Das hat Rudolf Steiner auch freudig aufgenommen und hat dann Konzepte von einer Reformschule, wie das damals hieß, übernommen.

Es gab viele verschiedene Ansätze von Reformschulen zu dieser Zeit und Rudolf Steiners Art der Reformschule, das waren eben dann die Waldorfschulen, die eben auf diese Waldorf Astoria, auf die Zigarettenfabrik zurückging. Da hat er ja auch dann ganz neue Konzepte der Beschulung entworfen,

dass in Epochen dann gelehrt wird, zum Beispiel, dass halt drei, vier Wochen ein Hauptthema ist, das man dann am Morgen jeweils zwei Stunden hat. Auf das konzentriert man sich für einige Zeit und dann wird die Epoche nach einiger Zeit wieder gewechselt.

Dazu hat er auch Konzepte reingebracht, dass eben eine Vorbereitung oder handwerkliches Arbeiten schon in der Schule … dass die Schüler halt herangeführt werden an handwerkliches Arbeiten durch Einrichtung von zum Beispiel von Schmieden, dass sie mit Eisen und mit Öfen herumexperimentieren konnten. Dann Ackerbau und Viehzucht auch in der Schule betrieben wurden und so etwas.

Dann diese Schulformen natürlich auch diese Gebäude, die die dann entworfen haben, diese anthroposophische Architektur, die versucht den rechten Winkel zu vermeiden. Also was ja beim normalen Bürgertum das A und O ist, der Standard, der heilige rechte Winkel, das ist bei den Anthroposophen verpönt.

Also man versucht da auch im Fensterrahmen und in Türen, in Bauten, also die Ecken, dass es alles nicht so rechtwinkelig sein sollte, das war eigentlich das Grundkonzept und das sind ganz interessante Schulgebäude auch rausgekommen.

Manchmal sind die Waldorfschulen auch in anderen Gebäuden, die jetzt nicht so schön sind oder nicht so ausgefallen sind. Aber das ist auch etwas, wo er etwas Neues reingebracht hat.

Auch dieser Bau, das erste Goetheanum, das ist dann abgebrannt. Es gab da offensichtlich Brandstiftung, denn natürlich diese neue Bewegung damals, die hatte ja viele Feinde. Was genau vorgefallen ist? Es wurde nicht aufgeklärt, wie es kam.

Irgendwie, das war, glaube ich, Silvester von 22 auf 23, wo dann das Goetheanum abgebrannt ist in der Nacht. Die hatten noch eine Feierlichkeit und das war ja alles aus Holz und dann jemand, der sich offensichtlich ausgekannt hat, hat dann irgendwelche Brandbeschleuniger angebracht und als das dann bemerkt wurde, war das dann schon so im Schwall und im Schwung, dass da nichts mehr zu retten war.

Rudolf Steiner hat dann geistesgegenwärtig noch Bestandsaufnahme gemacht, was alles vielleicht für die Versicherung wichtig ist als Beweismittel, dass wirklich die Versicherungsleistung auch in Anspruch genommen werden konnte. Darum hat er sich gekümmert.

Aber es musste dann neu gebaut werden. Das zweite Goetheanum, das ist eben nicht mehr das Holz, sondern das ist dann aus Beton gebaut worden. Mit Beton kann man ja auch ganz verschiedene Formen gießen und das steht auch heute noch. Das ist auch ein sehr markantes Gebäude in Dornach.

Die Medizin natürlich auch, in der Medizin der anthroposophischen Medizin hat da ganz neue Medikamente, die auf Mineralien zurückgingen, Mineraliengemische auch. Dann Homöopathie hat auch ganz stark vertreten.

Dann hat er auch Therapieformen für geistig Behinderte entworfen und weiterentwickelt. Er selbst hatte ja ein Geschwisterkind, das geistig behindert war. Da hatte schon Erfahrungen sammeln können und als junger Student hat er dann auch, um etwas Geld dazu zu verdienen, war er Hauslehrer in einem jüdischen Haushalt und da war auch ein geistig – behindert jetzt nicht unbedingt, aber einen geistig eben schwer stabilisierbaren jungen Mann hat er damals betreut.

Es ist ihm gelungen, dass der ein relativ normales Leben dann führen konnte und da hatte er eben sein Wissen dann später weitergegeben und so gibt es auch heute anthroposophische Anstalten, wo man auch mit geistigen Problemen dann aufgenommen werden kann und da gibt es besondere Herangehensweisen, wie die versorgt werden.

Dann hat er auch ein Hochschulwesen irgendwie angeregt. Es gibt auch eine anthroposophische Hochschule in Witten-Herdecke, wo auch gewisse Konzepte da reingetragen worden sind. Das ist privat finanziert. Ich weiß nicht, wie sich das entwickelt hat inzwischen.

Aber das gab es noch und dann hat er natürlich auch im Bereich der Religiosität, ich denke, vor allem evangelische Pfarrer, die kamen dann zu ihm und wollten auch oder haben nach Impulsen gefragt, wie eigentlich eine Religion heutzutage sein müsste und da hat er dann auch Anregungen gegeben.

Daraus ist dann die Christengemeinschaft entstanden, die jetzt nicht so stark ist meines Wissens. Aber sie lebt noch, in größeren Städten gibt es da gewisse Kirchen. Ich denke mal vor allen Dingen Anthroposophen, die dorthin hingehen.

Ich bin leider nicht dazugekommen, mir das mal anzuschauen. Ich habe von 1993 bis 1996, sagen wir mal, habe ich intensiv Rudolf Steiner gelesen und habe dann auch vorgehabt, auf die Rudolf Steiner Schule zu gehen oder wollte dann Waldorfschullehrer werden, habe dann noch ein mal studiert und war dann auch noch einmal 13 Monate auf dem Waldorflehrer Seminar, Oberstufenlehrer Seminar in Stuttgart.

Da habe ich natürlich einiges mitbekommen. Da habe ich dann auch sogar auf der Uhlandshöhe gelebt. Aber ich war irgendwie zu faul, dann mal aufzustehen und dann mal in seinen Gottesdienst zu gehen. Es war gar nicht so weit entfernt, dort, der Ort. Ich habe mir das schon rausgesucht. Aber ist dann doch nicht dazugekommen, aber gut.

Ja, das sind halt diese ganz verschiedenen Impulse, die Rudolf Steiner reingebracht hat in die Welt. Gut, was hat das jetzt mit Kirya Yoga zu tun?

Also ich bin ja 87, 88 zum Kriya Yoga gekommen, habe immer Kirya Yoga praktiziert. Aber wenn man halt jetzt meditiert und die Techniken anwendet, zumindest damals waren ja viele Schriften von Yogananda noch nicht herausgegeben.

Also dieser Kommentar zu Bhagavad Gita war noch nicht raus, war noch nicht veröffentlicht. Der kam dann erst in den 2000er Jahren oder Englisch, glaube ich schon in den 90er Jahren, mitte der 90er Jahre vielleicht. Auch der Kommentar zur Bibel, der kam dann erst in den 2000er Jahren.

Yogananda hat schon sehr viel natürlich auch in seinen Lehrbriefen untergebracht, wie man Kriya Yoga jetzt auch so lebt, dass man nicht nur die Techniken übt, sondern auch das hereinwebt in sein Leben.

Dazu habe ich schon einiges aufgenommen. Ich diese Lehrbriefe durchgearbeitet, so ziemlich alle. Aber mir hat dann immer noch etwas gefehlt, gerade dieses Verständnis dieser geistigen höheren Welt, da hat Rudolf Steiner eben zu dem Aufbau des Kosmos, der Entstehung des Kosmos, der Weiterentwicklung des Kosmos über Zeiträume von Äonen von Jahren hat er da referiert und danach habe ich mich eigentlich gesehnt.

Das war ein Wissen, das ich noch haben wollte. Er hat dann auch Karma Vorträge gehalten, ganze Vortragszyklen über karmische Zusammenhänge von Personen, die einmal gelebt haben und dann in verschiedenen Inkarnationen verfolgt, also wie da dieser Aufbau ist oder wie diese Zusammenhänge sind, die wollte er herausstellen, anschaulich.

Also das war sehr viel, was mich brennend interessiert hat, das habe ich bei Rudolf Steiner gefunden. So ist es von daher natürlich, wenn ich jetzt von mir ausgehe, ist es eine sehr gute Ergänzung für den Kriya Yoga und er bringt halt eben diese Impulse, oder er hat es vorgemacht, wie man die Impulse aus der geistigen Welt auch in die materielle Welt hereintragen kann.

So ist es so ein Anschauungsmaterial und auch eine Anleitung, wie man im Geistigen selbstbewusst wird, wenn man geistige Kraft gewinnt, durch das Praktizieren von Kriya Yoga, dann selbstbewusst halt auch seine Ideen versucht, hereinzubringen in das Leben, in das Land, in die Gesellschaft.

Das ist etwas und er hat halt auf ganz viele Bereiche hingewiesen, die ich sonst nie wahrscheinlich berührt hätte, so Geschichte, Geologie auch, dafür habe ich mich dann interessiert, anlässlich meines Lesens von Rudolf Steiner, dass ich dann auch immer versucht habe, mit der wissenschaftlichen Literatur dann zu untermauern, zu überprüfen, inwieweit das stimmt, inwieweit das jetzt plausibel ist, was Rudolf Steiner sagt oder in wieweit man das irgendwie stützen kann.

Das habe ich dann schon versucht und das war dann auch der Anlass, warum ich eben auch noch einmal Geschichte, Literaturwissenschaft und Erdkunde dann auch studiert habe. Das war für mich dann auch sehr bereichernd und war eben so eine wichtige Epoche meines Lebens.

Darin habe ich sehr viel Zeit reininvestiert, erst mal drei Jahre in den 90er Jahren, dann nochmal zwei Jahre ungefähr in den 2000er Jahren.

Rudolf Steiner ist mir persönlich ein ganz enger Freund, also ich habe relativ wenige Freunde auf dieser irdischen Ebene. Aber ich habe eben sehr viele Freunde oder sehr viele mir nahestehende geistige Persönlichkeiten oder Geister, mit denen ich sprechen kann und mit denen ich eine tiefe Verbindung fühle.

Da ist Rudolf Steiner ein ganz enger. Ich habe auch sein ganzes Leben ganz ausführlich studiert, von Rudolf Steiner ist ja so viel dokumentiert. Dazu gibt es so von Tag zu Tag, das Leben von Rudolf Steiner. Das gibt es da und es gibt so viele Zeitzeugenberichte über ihn, genauso wie es über Yogananda eigentlich sehr viele gibt. Dazu habe ich auch einiges gelesen.

Also Yogananda ist ein Freund von mir. Goethe auch, von Goethe gibt es auch sehr viel. Erst einmal, was er selber geschrieben hat und dann auch was über ihn geschrieben wurde.

Da kann man sich schon rein vertiefen und wenn man keine Freunde auf dieser irdischen Ebene hat, dann hat man zumindest immer Gesprächspartner, je nachdem wie man sich öffnen kann, auch auf diesen Ebenen.

So kann ich nur sagen: Im Kriya Yoga sollte man ruhig breiter aufgestellt sein, jetzt nicht nur Yogananda. Natürlich zuerst konzentriert man sich darauf. Aber um noch eine breitere Standfestigkeit zu bekommen, ist es auch gut, dann mal solche Lehren auch zur Hand zu nehmen, sich reinzuvertiefen.

Ich weiß nicht, ob das heute noch ankommt. Aber für mich war das sehr aufschlussreich und sehr beglückend damals, mich damit intensiv beschäftigen zu können. So kann ich das auch jedem empfehlen, mal über den Tellerrand zu schauen.

Kriya Yoga sollte immer diese spirituelle Praxis sein. Rudolf Steiner hat auch Anleitungen gegeben, wie man sich dem Geistigen nähern kann. Er hat zum Beispiel ein Buch geschrieben: „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“, und hat dann auch Übungen gegeben, was man machen kann, um dem Geistigen näher zu kommen.

Das ist auch Material, aber im Vergleich zu dem, was man halt bei Yogananda erhält, ist es, glaube ich, relativ minderwertig. Die Zeit war noch nicht reif, zumindest in West Europa.

1891, 1892 (tatsächlich schon 30 Jahre früher) kam ja der Kriya Yoga in die Welt, durch Lahiri Mahasaya 1881 (bzw. 1861) schon hat er gelehrt. Aber Yogananda ist ja dann geboren, 1893.

Also theoretisch hätte Rudolf Steiner auch vom Kriya Yoga schon erfahren können. Aber es war halt praktisch relativ unmöglich, dort hinzufinden.

Aber er hat halt auch einige Übungen gegeben, zum Beispiel den Rat hat er gegeben, dass man etwas rückwärts macht und auch die Träume versucht oder wenn man sich zurückerinnert, dann nicht chronologisch, sondern von der Jetztzeit zurückgeht, also verschiedene Sachen hat er so angeleitet.

Aber meiner Ansicht nach könnten auch die Anthroposophen genauso wie die Kriya Yogis jetzt bei Rudolf Steiner sich ein bisschen beglücken lassen könnten. Genauso wäre es, glaube ich, sinnvoll und gut, wenn Anthroposophen den Kriya Yoga ein bisschen aufnehmen könnten und damit eine geistige Standfestigkeit heranbilden könnten, mit der sie dann die Lehren von Rudolf Steiner auch besser vertreten könnten.

Denn was ich jetzt festgestellt habe bei Rudolf Steiner, in der Waldorfschule auch, also diese Lehrer und diese ganzen Schüler dort, die da hingehen, also von Rudolf Steiner ist da nicht mal viel die Rede. Es hat sich halt weiterentwickelt.

Aber einen richtigen Zugang zu Rudolf Steiner haben da relativ wenige in der Waldorfschule. Es wird immer so hingestellt von Kritikern, als ob das mehr so sektenmäßig wäre. Vielleicht auch deswegen wollen die Waldorfschulen, das nicht so in die Öffentlichkeit tragen.

Natürlich gibt es sicher einige Enthusiasten, die sich da reinsteigern in Rudolf Steiners Schriften und das auch ein bisschen dann leben wollen in der Waldorfschule, das vielleicht auch ein bisschen den Schülern unterzujubeln versuchen. Aber ich glaube, die Regel ist heutzutage, dass da von Rudolf Steiner relativ wenig weitergegeben wird oder der selbst zur Sprache kommt oder dass das Besondere von seinen Fähigkeiten, das kommt da gar nicht zum Tragen.

Es ist auch ziemlich verweltlicht meiner Ansicht nach inzwischen und die meisten Lehrer, schon die Lehrer nicht nur die Schüler natürlich auch, die haben ganz wenig Zugang zum Geistigen und deswegen wäre für die natürlich auch ganz sinnvoll, wenn die geistige Übungen, wie die von Yogananda, diese Kriya Yoga Übungen oder allgemein so spirituelle Yoga-Übungen zurate ziehen würden, um sich da spirituell weiterzubilden, um denn auch möglicherweise den Rudolf Steiner selbst wieder besser verstehen zu können.

Ja, das ist jetzt meine kurze Zusammenfassung zu Rudolf Steiner, zu seinem Beitrag für unsere Kultur, der sehr wesentlich ist, was, glaube ich, gar nicht so honoriert wird, wie es eigentlich honoriert werden müsste heutzutage.

Es spielt sicher sehr viel rein, wenn Rudolf Steiner nicht diese Impulse gegeben hätte, dann wäre sicher einiges anders gelaufen, dann würde es noch düsterer ausschauen heutzutage. Das wird heute nicht mehr gewürdigt.

Es sind immer die Kritiker da, die ihm aus unserer Perspektive dann irgendwas vorhalten, was eben damals gar nicht irgendwie kritisiert werden kann, aus dem Wissen der Zeit heraus, was er gemacht hat, das ist eigentlich alles sauber und nicht angreifbar.

Nur wenn man halt wirklich die Sachen mit Gewalt dann verdrehen will, dann kommt man halt zu Kritiken, wie er sei ein Rassist oder Antisemit gewesen, was ein völliger Blödsinn ist. Aber gut, das ist halt so in unserer Gesellschaft. Damit müssen die (Anthroposophen) sich halt auch auseinandersetzen.

Kritik ist ja auch nicht schlecht. Man muss sie halt auffassen können und damit umgehen können. Ich denke mal, das wird weiter wirken, was Rudolf Steiner geschaffen hat und wenn die mal auf den Geschmack kommen, auch den Kriya Yoga zu Rate zu ziehen und für sich nutzbar zu machen, dann wird das noch besser oder noch mehr in unsere Gesellschaft hereintragbar sein, was Rudolf Steiner Anregungen gegeben hat für unsere Welt.

Das sei es dann. Hari, OM, Tat, Sat. Alles Gute, ciao.

Der heutige Song stammt wieder dem Album „Rudolf Steiner“

Rudolf Steiner – Geist aus der Tiefe

Ein Geist, der aus der Tiefe spricht,
aus Weltenfeuer, klar und licht,
Rudolf Steiner – weit und still,
ein Seher, der das Ganze will.

Er sah, was hinter Formen ruht,
wo Denken schwingt in schöpferischem Mut,
wo Geist und Stoff sich wiederfinden,
um Mensch und Welt erneut zu binden.

Er zeigte Wege, zart und stark,
durch Schule, Pflug und Farbenmark,
wo Kinder frei im Denken blühen,
und Seelen in Bewegung glühen.

In Erde sah er Himmelsgeist,
in jedem Korn, das Wurzel heißt,
der Pflanze Wachstum, Tiers Gebärde,
verwob er sanft mit Sinn der Erde.

In Medizin – das heilend Schauen,
das Gleichgewicht von Tun und Trauen,
nicht Kampf, nicht Zwang, nicht kalte Pflicht,
doch Wärme, Weisheit, Gleichgewicht.

Er formte Häuser, rund, lebendig,
wo Linien tanzen, Sinn empfänglich,
und aus der Stille ward Gestalt,
die Mensch und Himmel neu entfaltet.

Er schuf im Wort, im Ton, im Tanz,
den Weg zum innern Weltenkranz,
wo Kunst und Wissen sich umarmen,
und Denken selbst wird Herz – mit Armen.

Er sprach vom Christus, Menschheitskern,
nicht fern im Himmel, nah, nicht fern –
als Licht im Innern, das erwacht,
wenn Denken Liebe wird und sacht.

O Steiner, Geist von seltenem Mut,
dein Werk noch immer reift und ruht,
du hast dem Westen Tor und Spur
geöffnet hin zur Geistnatur.

Und wer dir folgt mit offnem Sinn,
der spürt: dein Wirken lebt darin,
wo Menschen frei und schöpferisch steh’n –
du hast die Welt neu seh’n gelehrt.