Gemeinsamkeiten

Da ich lange Zeit mit Yoganis System der Fortgeschrittenen Yoga Übungen gearbeitet habe und seine Lektionen und Bücher ins Deutsche übersetzt habe und auch wesentliche Elemente und Prinzipien des Kriya Yoga bei Yogani zu finden sind, fließen unweigerlich Elemente von Yogini in meine Kriya Einweihung, also den Kashi Kriya ein. Bei einer Untersuchung von Kashi Kriya – Yogani System kann man sicher viele Gemeinsamkeiten erkennen, ohne dass ich diese hier im Einzelnen auflisten möchte.

Der Kriya Yoga ist nicht nur ein sehr effektives, er ist auch ein sehr flexibles Übungssystem, was auch ein Grund dafür ist, dass uns der Kriya Yoga heute in so vielen verschiedenen Formen begegnet.

Yogani Om Zeichen
Yogani Om Zeichen

Kashi Kriya – Yogani System: die vier Hauptunterschiede

Illustration zur Wirbelsäulenatmung
Illustration zur Wirbelsäulenatmung

Wirbelsäulenatmung nicht gleich am Anfang:

1. Dass die Wirbelsäulenatmung, die zentrale Übung des Kriya Yoga, nicht gleich am Anfang der Routine (abgesehen von Asanas oder anderen körperlichen Übungen, die man immer vor den Kriya-Übungen macht) steht, sondern darauf mit einer Phase, die ich Pratishta nenne, vorbereitet wird. Das aus dem Grund, weil die Wirbelsäulenatmung, umso effektiver ist, je konzentrierter und je tiefer das bereits erreichte Niveau der Konzentration und Stille ist. Allerdings kann es auch sinnvoll sein, gleich mit der Wirbelsäulenatmung einzusteigen, wenn man noch am Anfang steht und ohne die Wirbelsäulenatmung gar nicht in die Meditation hineinkommt. Da sich der Kashi Kriya jedoch an erfahrene Meditierende richtet, sollte das eher selten der Fall sein.

Länge der Praxisroutine

2. Yogani sagt, es sei besser, seine kurze 40-minütige Routine (bestehend aus Wirbelsäulenatmung, Meditation, Samyama und Ruhephase) öfter hintereinander auszuführen, anstatt eine lange Routine durchzuführen. So macht man bei den Yogani Retreats am Morgen zunächst Asanas, danach folgen in den 40 Minuten der sogenannten sitzenden Übungen Wirbelsäulenatmung, Meditation, Samyama, Ruhephase, Pause und danach noch einmal 40 Minuten Wirbelsäulenatmung, Meditation, Samyama und Ruhephase. Für Übende, die noch nicht länger als 40 Minuten regungslos sitzen können oder generell noch nicht so sehr Fortgeschrittene mag dies sinnvoll sein. Meine Erfahrung sagt mir jedoch, dass man umso tiefer in die Meditation hineinkommt, je länger man regungslos und nach innen gekehrt sitzt.

Wer also so lange sitzen kann, sollte die zur Verfügung stehende Zeit nach meinem Dafürhalten und meiner Erfahrung dafür nutzen, die Praxisroutine nur einmal durchzuführen. Einmal in der Woche in diesem Sinne eine längere Praxisroutine unterzubringen, ist eine förderliche Zielsetzung.

Beschränkung auf wenige Techniken und Prinzipien.

3. Was bei einem Vergleich Kashi Kriya – Yogani System wohl schnell ins Auge fallen wird, ist die Tatsache, dass sich der Kashi Kriya Yoga auf wenige Techniken konzentriert. Auf diese aufbauend gibt es  Einweihungsstufen, in denen die Haupt-Kriya Techniken aufeinander aufbauend immer höher, in potentere Bereiche geschraubt werden. Zu jeder Einweihungsstufe gibt es ein Übungsprogamm, das man abarbeitet und in einem Tagebuch dokumentiert.  Die Absolvierung dieses Übungsprogramms und die Vorlage des Tagebuches (dazu werden Übungspläne ausgeteilt, in die man die Absolvierungen einträgt) sind Voraussetzung für die Einweihung in die nächst höhere Stufe.

Kriya-Einweihungsstufen der dynastischen Linie
Kriya-Einweihungsstufen der dynastischen Linie

Das theoretische System Kashi Kriya – Yogani System

4. Damit ist beim Vergleich Kashi Kriya – Yogani System der Kashi Kriya Yoga noch mehr auf die Praxis ausgerichtet und die Praxis wird zum Guru.

Demgemäß wird im Kashi Kriya kein starres theoretisches System vermittelt. Der Schüler ist aufgerufen, anhand seines nach Innengehens mithilfe der Kriya-Techniken sein eigenes theoretisches System aufzubauen oder auf Grundlage der Systeme von Yogananda (vor allem im Kommentar zur Bagavadgita „Gott spricht mit Arjuna“ und zur Bibel „Die Wiederkunft Christi“), Yogani oder anderen sein eigenes weiterzuentwickeln.

Dabei möchte ich jedoch darauf verweisen: Ein theoretisches System zu kennen oder auch verinnerlicht zu haben und wiedergeben zu können, hat nicht notwendigerweise etwas mit einer Verwirklichung zu tun. Oft sind es diejenigen, die sehr gut theoretisieren, die am Wenigsten praktizieren. „Wer es weiß, sagt es nicht, und wer es sagt, weiß es nicht.“ Lao Tse.

Natürlich fließt meine Sicht der Dinge in die Einweihung ein, doch da ich weiter praktiziere, entwickelt sich auch meine Erkenntnis weiter und ich will mich durch kein starres theoretisches System selbst binden. Kriya Yoga ist ein Forschen nach den höchsten Wahrheiten im eigenen Inneren mit Hilfe der Kriya Techniken. Am Ende werden alle dieselben Einsichten erlangen (und daran erkennt man sich), doch der Weg ist für jeden ein anderer.

Ein Kriya Yogi
Ein Kriya Yogi

Am Ende entwickelt jeder sein eigenes theoretisches System und arbeitet daran mit der täglichen Praxis weiter. Er wird zum theoretischen System. Alles was andere entwickelt haben, wird nie ganz mit der eigenen Wirklichkeit übereinstimmen bzw., da am Ende alles eins sein wird, läuft am Ende alles auf dasselbe hinaus. Es gibt nur eine Wahrheit, die aus verschiedenen Betrachtungswinkeln (Stufen der Entwicklung) anderes wahrgenommen und beschrieben wird. Wenn zwei behaupten, sie hätten denselben Betrachtungswinkel, dann kann das schon mal stuzig machen.

Sinnvoll sind theoretische Systeme von außen, wenn sie zur Praxis motivieren oder die eigene Praxis stabilisieren können. Deshalb ist die Beschäftigung damit zumindest am Beginn der Reise empfehlenswert. Später sollte man alle Fragen, die man an das Leben hat, dazu nutzen, tiefer zu meditieren. Der Guru im Inneren ist derjenige, der alle Fragen beantwoten kann und alle Einsichten vermittelt.