Kurzzusammenfassung
Wie lässt sich Kriya Yoga unterwegs praktizieren – mit Zug, Pauschalreise, Kreuzfahrt oder als „Working Nomad“? Du schilderst, wie du auf Reisen deine Morgenroutine durchgezogen hast (und abends oft „Kür“ drangehängt), wie gut das allein in Indien funktioniert, und wie man sich mit Partner/Familie arrangieren kann (z. B. sehr früh üben, nochmal schlafen, dann normal in den Tag starten). Du erzählst Reisebeispiele (u. a. Indien, Südafrika, Moskau 1989, Nilkreuzfahrt 2020), sprichst über typische Fallen wie Überessen (Buffet) und warum dich das Reisen heute weniger zieht. Am Ende betonst du: Kriya Yoga ist kein „Weltflucht-Programm“, sondern lässt sich in Alltag, Arbeit und Reisen integrieren – und Reisen kann den Horizont öffnen, wenn man es passend organisiert.
Strukturiertes Transkript
Wie reist ein Kriya Yogi? Reisen und Meditationspraxis in Einklang bringen
Reisen und eine ernsthafte Kriya-Praxis — schließt sich das aus? Die kurze Antwort lautet: nein. Aber es braucht Bewusstsein, Flexibilität und manchmal auch etwas Erfindergeist. In dieser Episode des Kriya Yoga Podcast Deutsch teile ich meine persönlichen Reiseerfahrungen über mehrere Jahrzehnte hinweg — und was ich dabei über die Vereinbarkeit von innerem Pfad und äußerer Bewegung gelernt habe.
Die Grundspannung: Tägliche Praxis trifft unterwegs sein
Ein Kriya Yogi meditiert täglich — intensiv und regelmäßig. Wer diese Praxis wirklich ernst nimmt, steht beim Reisen vor einer einfachen Frage: Wie stelle ich sicher, dass das Wichtigste des Tages nicht auf der Strecke bleibt?
Für manche ist die Antwort zunächst: gar nicht erst reisen. Das klingt radikal, war für mich aber eine Zeitlang tatsächlich die ehrlichste Haltung. Wer seine Meditation als unverzichtbar begreift, wird nicht leichtfertig Kompromisse eingehen. Allerdings ist Reiseverzicht auf Dauer keine überzeugende Lösung — und auch keine notwendige, wie ich mit der Zeit herausfand.
Interrail 1988: Die erste Lektion
Meine frühesten Versuche, Meditation und Reisen zu verbinden, endeten lehrreich. Auf einer Interrail-Reise durch Skandinavien — es war 1988, ich meditierte damals bereits ein paar Jahre und hatte die vorbereitenden SRF-Techniken — saß ich eines Morgens in Kopenhagen auf einer Parkbank und wollte meine Morgenmeditation nachholen. Ich legte meinen Geldbeutel beiseite, versank in die Stille — und stand danach ohne Geld da. Rund 1.000 DM waren weg, entweder liegen gelassen oder während der Meditation entwendet.
Diese Erfahrung hat mich gelehrt: Meditieren in der Öffentlichkeit ist möglich, aber sie braucht eine andere Form von Vorbereitung und Sicherheit. Das Auto sollte mir diese später geben.
Die Entdeckung des „fahrenden Retreats“
Ab Mitte der 1990er Jahre entwickelte ich meine eigene Reiseform: allein im Auto, mit herausgebauter Rückbank, schlafen und meditieren wo immer ich anhielt. Ein Opel Kadett war mein erstes rollendes Meditationszimmer. Der Schlafkomfort ließ zu wünschen übrig — aber ich hatte jederzeit einen ruhigen Rückzugsort, war unabhängig und musste keine Angst haben, durch Unachtsamkeit Geld oder Sicherheit zu verlieren.
Diese Reiseform entwickelte sich über Jahre zu echten Studienreisen. Ich studierte damals Geschichte, Erdkunde und später Germanistik — und nutzte die Semesterferien für zweimonatige Touren durch Europa und darüber hinaus: Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien, die Slowakei, England, Skandinavien, eine Mittelmeertour, und 2002 eine große Rundreise über das Schwarze Meer bis nach Aserbaidschan und Kasachstan.
Was sich dabei herausschälte, war mehr als Tourismus. Es waren fahrende Retreats: wenig Gespräche, viel Beobachtung, tägliche Morgenmeditation als Anker, nachmittags Lektüre, gelegentlich Abendmeditation. Die innere Stille und die äußere Bewegung begannen sich gegenseitig zu nähren.
Indien 2012 und 2013: Spirituelles Reisen im eigentlichen Sinne
Indien war eine andere Kategorie. Zwei Reisen — jeweils mit dem Rucksack und dem Zug — brachten mich an Orte, die das Meditieren von selbst begünstigten. Tempel, religiöse Musik, das allgegenwärtige spirituelle Klima des Landes: Die Abendmeditation war dort keine Pflicht mehr, sondern eine Kür, zu der die Umgebung von selbst einlud. An vielen Orten meditierte ich zweimal täglich — morgens aus Disziplin, abends aus Freude.
Marokko hatte als Vorbereitung gedient: Es zeigte mir, wie man mit der Intensität armer und touristisch geprägter Gesellschaften umgeht, ohne innerlich aus dem Gleichgewicht zu geraten. Wer gelernt hat, inmitten von Aufdringlichkeit still zu bleiben, ist für Indien gut gerüstet.
Mit Partner und Gruppe reisen: Anpassung ohne Aufgabe
Wer in einer Beziehung lebt oder mit anderen reist, steht vor einer anderen Herausforderung: Wie halte ich meine Praxis aufrecht, ohne zum Störfaktor zu werden? Meine Erfahrung aus einer zweiwöchigen Südafrika-Reise mit Partnerin und deren Sohn war, dass der Körper bei konsequenter Praxis seine eigenen Lösungen findet. Ich wachte automatisch mitten in der Nacht auf, zog meine Routine durch, legte mich noch einmal hin — und war pünktlich zum gemeinsamen Tagesstart wieder präsent. Kein Konflikt, keine Kompromisse am falschen Ort.
Die Grundvoraussetzung ist natürlich, dass der Partner ein Grundverständnis für die Praxis mitbringt. Das erleichtert alles ungemein.
Das Ende des Reisedrangs — und was bleibt
2016 versuchte ich eine Halbjahresreise durch Süd- und Nordamerika. Sie endete nach zwei Wochen in Buenos Aires. Die Motivation, die mich früher angetrieben hatte — das Lernen für den angestrebten Lehrberuf, das Anreichern eines Weltbildes, das ich weitergeben wollte — war nicht mehr da. Was blieb, war die Frage: Was mache ich eigentlich hier?
Das ist kein Scheitern, sondern eine Entwicklung. Mit fast 60 Jahren und nach Jahrzehnten intensiver Reisetätigkeit ist der Hunger nach äußerer Erkundung weitgehend gestillt. Was mich heute antreibt, ist das Weitergeben: Lehren, Einweihen, Schreiben, Publizieren. Das ist meine Form von Bewegung geworden — nach innen und nach außen, aber von einem festen Ort aus.
Praktische Empfehlungen für reisende Kriya Yogis
Aus über drei Jahrzehnten Reise- und Meditationserfahrung lassen sich einige konkrete Hinweise destillieren:
Das eigene Auto mit Schlafmöglichkeit ist die souveränste Reiseform für Meditierende: unabhängig, ruhig, flexibel. Wer kann, baut die Rückbank heraus und schafft sich damit einen mobilen Rückzugsort.
Öffentliche Meditation ist möglich, erfordert aber Vorsicht — sowohl in Bezug auf persönliche Gegenstände als auch auf die Wahl des Ortes. Die frühen Morgenstunden in ruhigen Parks oder an Bahnhöfen können funktionieren.
Überessen auf Pauschalreisen und Kreuzfahrten ist ein reales Risiko. Büffets verführen — und Überessen kann zu Unwohlsein oder Erkrankungen führen. Das ist keine Kleinigkeit, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Praxisqualität.
Working Nomads mit ortsunabhängiger Arbeit — etwa in Verlagstätigkeit, Podcasting oder Content-Produktion — haben ideale Voraussetzungen, um Reisen und spirituelle Praxis dauerhaft zu verbinden. Warum muss man zu Hause sein, wenn man dieselbe Arbeit auch anderswo tun kann?
Reisen kann ein Retreat sein — wenn man es bewusst so gestaltet: wenig Kommunikation, viel Beobachtung, feste Meditationszeiten, Lektüre statt Ablenkung.
Fazit: Kriya Yoga funktioniert überall
Der Kriya Yoga ist keine Klosterdisziplin. Er ist ausdrücklich für Menschen gedacht, die in der Welt stehen — beruflich, sozial, familiär. Yogananda hat ihn nicht zufällig in den Westen gebracht, sondern weil er sich mit dem bürgerlichen Leben verbinden lässt. Das gilt auch für das Reisen.
Wer seine Praxis ernstnimmt und gleichzeitig die Welt erkunden möchte, findet Wege. Die innere Disziplin, die der Kriya Yoga aufbaut, ist genau das Werkzeug, das man dafür braucht — nicht ein Hindernis, sondern ein Kompass.
Leicht überarbeitetes Transkript
Hallo, liebe Freunde des Kriya Yoga. Heute geht es um die Frage: Wie reist ein Kriya Yogi? Reist ein Kriya Yogi überhaupt? Das muss man natürlich gleich sagen. Es gibt dazu keine pauschale Antwort darauf.
Ich möchte nur sagen, dass das Ziel … oder der Kriya Yogi ist jemand, der täglich relativ intensiv meditiert, seine Praxis ausführt und die muss man halt irgendwie mit dem Reisen auch in Einklang bringen, wenn man es wirklich ernst nimmt. Und im Zweifelsfalle lässt man dann die Reise fallen oder reist überhaupt nicht, weil man sich sagt, wenn ich nicht zum Meditieren komme, dann geht mir das Wichtigste, was ich eigentlich täglich machen möchte, das geht mir dann flöten und darum kann ich ja gar nicht reisen.
Das war bei mir auch eine Zeit lang, glaube ich, eine Ausrede, ja gut, nee. Ich habe mal Interrail gemacht. Es war gerade, als ich zwei, drei Jahre meditiert habe, dann habe ich auch dann täglich meditiert. Aber ja, das ist dann böse ausgegangen. Ich habe es immer versucht, einzuhalten. Ich habe dann auch mal draußen am Bahnhof gepennt oder so. Dann bin ich einmal nicht richtig zum Meditieren gekommen.
Da war unterwegs, ich wollte da in die skandinavischen Länder hoch. Da war ich gerade in Kopenhagen, in Dänemark. Dann hatte ich da nicht richtig meditiert am Morgen und wollte das nachholen oder hatte noch die meditative Stimmung oder das Meditationsbedürfnis und habe mich dann einfach am Morgen hingesetzt an irgendeine Stelle. Ich glaube, in der Öffentlichkeit sogar an eine Parkbank und habe dann zu meditieren begonnen oder habe ich bereit gemacht und dann habe ich gemerkt, dass mein, ich hatte da so einen Geldbeutel dabei, den hatte ich in der Hosentasche und als ich ihn da hingesetzt habe, habe ich gemerkt, ja, der drückt jetzt irgendwie und habe ich ihn auf die Seite gelegt, denke ich mal.
Auf jeden Fall: Ich habe meditiert, bin dann aufgestanden, bin weitergegangen und merke dann nach einiger Zeit, ja, der Geldbeutel ist weg. Entweder habe ich nach der Meditation nicht mehr daran gedacht und dann liegen gelassen. Oder ich habe ihn weggelegt während der Meditation und hat sich jemand angeschlichen und hat ihn dann während ich schon dagesessen bin, mitgenommen oder weggenommen, sodass es mir danach nicht mehr aufgefallen ist. Dann musste ich da nach, ich weiß nicht, wie lange ich unterwegs war, ich glaube eine Woche, hatte ich kein Geld mehr, da waren, glaube ich, 1.000 DM darin. Das war 1988, damals hatte ich noch nicht die eigentlichen Kriya Yoga-Techniken, aber ich hatte schon die OM-Meditation, die Hong Sau-Technik, die vorbereitenden Techniken der SRF. (In der Tat hatte ich da schon ein paar Monate zuvor die Kriya Lektionen bekommen).
Ja, das ging ziemlich in die Hosen und dann habe ich mich, glaube ich, etwas gescheut, dann noch einmal so zu reisen. Ich habe dann eine zeitlang Pause gemacht, bin dann nicht mehr so gereist. Dann hatte ich aber ein Auto zur Verfügung. Dann sind wir mal nach Paris mit einer Gruppe, mit ein paar Freundinnen während des Studiums. Ja, da ging es auch.
Dann habe ich mir angewöhnt, halt, immer alleine zu reisen im Auto und habe dann eben im Auto meditiert. Ich habe einen relativ kleinen Wagen gehabt, habe aber die Rückbank herausgebaut und habe dann da diese Technik, diese Technik gut zu reisen und zu meditieren, habe ich da für mich persönlich vervollkommnet. Also es war kostengünstig, weil ich keinen Caravan brauchte. Ich konnte überall hinfahren, keine Einschränkungen, irgendwo in den Innenstädten. Damals war das mit dem Parken noch nicht so in den 90er Jahren. Also anfangs habe ich noch schlecht geschlafen und dann habe ich dann auch Wege gefunden, wo ich relativ gut geschlafen habe.
Meine ersten Reisen, das war noch in der I AM Activity, dort habe ich auch meditiert aber eben nicht so lange, und dann habe ich aber diese Art zu reisen, dann als ich mein zweites Studium angefangen habe in den 90er Jahren, dann 1995, 1996, zuerst bin ich noch in Deutschland geblieben und habe mich nicht so richtig getraut, da habe ich in Stuttgart, wo ich mein erstes Studium verbracht hatte. Dort hatte ich mal eine Woche zugebracht und habe da auch im Auto geschlafen. Dann in Würzburg in der Wohnung meines Bruders, das ging ja auch.
Aber dann 1997 bin ich dann gereist über Tschechien, nach Polen, dann über Slovakei, nach Ungarn. Dann noch nach Kroatien und dann schließlich wieder zurück nach Deutschland und da habe ich dann vier Wochen lang eben im Auto geschlafen, die Rückbank herausgebaut in einem Opel Kadett. Gut schläft man darin natürlich nicht. Um wirklich ausgeschlafen zu haben, muss man früh ins Bett gehen und auch länger schlafen. Das war dann der Nachteil, aber ich hatte immer einen Rückzugsort zum Meditieren, musste nicht Gefahr gehen, mein Geld irgendwie durch Schludrigkeit zu verlieren.
Das war der Beginn einer großen Reiseaktivität, auf diese Weise jedes Jahr in ein anderes Land, immer ein, zwei Monate, zwei Monate, während des Studiums, nach England dann nach Skandinavien, dann eine Reiseversuch um das Mittelmeer herum. Das waren eigentlich nicht nur Reisen, das habe ich dann schön langsam empfunden, wie auch ein Retreat, ein fahrendes Retreat, wo ich relativ wenig gesprochen habe, beobachtend durch die Welt gereist bin.
Ich habe damals Geschichte und Erdkunde studiert. Das, was ich in Geschichte gelernt habe, das habe ich mir halt dann angeschaut, habe mir die Orte vorgenommen, geschichtsrelevante Orte und auch Geologie und für die Erdkunde dann relevante Orte, was ich damals in den Vorlesungen gehört habe, das habe ich während der Semesterferien im Sommer dann zwei Monate immer erkundet.
Abschlussreise dann 2002 noch wollte ich um das Schwarze Meer herum. Dann konnte ich nicht nach Russland rein, wegen des Tschetschenienkrieges. Dann bin ich noch nach Aserbaidschan, nach Kasachstan und dann über diese Schiene nach Russland, Ukraine und dann Slowakei wieder zurück, auch zwei Monate.
Ja, ich habe jetzt viel gesehen, teilweise habe ich natürlich auch Kontakt gehabt, aber teilweise habe ich dann den ganzen Tag nicht gesprochen und meine Meditation halt eingehalten, vor allen Dingen morgens. Also so zwölf Uhr … Ich hatte viel zu lesen dabei und habe nach der Meditation noch ein bisschen Reiseführer gelesen oder Geschichtsbücher oder für das Studium einige Arbeiten. Ich habe ja dann Germanistik auch noch studiert, da habe ich dann auch noch was mitgenommen, also Kassetten, um dann Literatur zu hören, und so Bücher, womit ich die Reise dann von Tag zu Tag planen konnte. So den großen Zug hatte ich in der Vorstellung und dann musste ich halt von Tag zu Tag planen.
Also das waren auch für die Meditation eigentlich richtige Einkehrtage, wo ich dann viel meditiert habe. Dann bin ich ja, 2003 bin ich noch nach Frankreich, Frankreichrundreise 6 Wochen.
Dann ging es los mit dem Living on Light, also dem Lichternahrungsprozess, die ich mehrfach, einmal ganz und dann immer wieder Ansätze, mehrere Tage, zwei Wochen oder so oder eine Woche. Das habe ich dann auch während des Reisens durchgeführt. Damit war ich dann auch noch einmal in Italien, in Frankreich, noch mal in Italien, und dann habe ich noch eine Reise nach Marokko gemacht, eigentlich immer dasselbe Schema. Das hat also ganz gut funktioniert so.
Dann Indien 2012 und 2013, dahin bin ich dann mit dem Rucksack, also Marokko war ein bisschen Vorbereitung auf Indien, weil ich Indien schon ein bisschen gefürchtet habe, wegen dieses Drucks der Armut oder der armen Leute, die dann betteln und etwas verkaufen wollen. Diese Aufdringlichkeit, die habe ich in Marokko deutlich gespürt, obwohl ich dort auch mit dem Auto unterwegs war, wo ich mich teilweise auch zurückziehen konnte.
Aber immer wenn man so in touristischen Orten war, war man eigentlich ein wandelnder Geldbeutel, ein Freiwild, wo sich die Leute darauf gestürzt haben, und da musste man halt dann sich …
Ich habe dann natürlich immer versucht, zu kaufen, was ging. Ich habe immer viel eingekauft. In meinem Auto konnte ich auch viel nach Hause bringen und in Indien habe ich dann sechs oder sieben Pakete, habe ich dann nach Hause geschickt. Lauter Tant und also vieles, was ich eigentlich nicht mehr gebraucht habe. Vieles, was mir angedreht wurde.
Aber in Indien war ich dann mit dem Zug unterwegs. Dort war ich auch alleine unterwegs. Das ging dann auch mit dem Meditieren. Indien ist ja sowieso ein Land, wenn man ein bisschen auf der Suche nach Spiritualität ist und weiß, wo man hin muss, dann findet man da auch viel Anregung zum Meditieren. Nicht nur morgens, sondern auch abends. Also morgens war meine Pflicht und abends war dann noch die Kür, wo ich dann an verschiedenen Orten so mich angeschlossen habe in Tempeln oder wenn ich Musik, so religiöse Musik gehört habe, dann bin ich dort dazugestoßen und habe dann meist auch zweimal am Tag meditiert.
Ja, wenn man einen Partner hat, dann muss man sich halt ein bisschen arrangieren und dann ist es natürlich gut, wenn man einen Partner hat, der für diese Dinge Verständnis hat, der am besten auch meditiert und das ging dann auch.
Einmal war ich mit meiner Freundin und deren Sohn in Südafrika unterwegs für zwei Wochen, da sind wir mit dem Auto gefahren, von Hotel oder AIRB&B und so Homestay Unterkünften gereist von Ort zu Ort. Da musste ich mich natürlich ein bisschen einfügen, anpassen und konnte da jetzt nicht darauf vertrauen, dass die jetzt Rücksicht auf mich nahmen. Da hat sich es aber so eingestellt, dass mein Körper dann, dass ich automatisch dann immer früh aufgewacht bin, relativ früh, mitten in der Nacht meistens noch und dann meine Routine durchgezogen habe, und dann habe ich mich noch einmal hingelegt und habe noch einmal geschlafen. Dann bin ich aufgewacht zur selben Zeit wie die anderen noch einmal und dann habe ich da genauso weitergemacht wie die.
Also man kann sichs einrichten und man kann als Kriya Yogi genauso reisen, Kriya Yoga heißt auch nicht nur nach innen sich zu erkunden, sondern auch die Welt zu verstehen lernen, versuchen, sich ein Bild von der Welt zu machen, das ist überhaupt nichts Verkehrtes. Das kann man sehr gut mit dem Kriya Yoga in Einklang bringen, ja, nochmal zwei andere Reisen, noch so Pauschalreisen. Einmal war ich in Moskau noch in 1989 war das, 1989 in Moskau, eine Woche lang Moskau-Petersburg, da ging das auch. Man darf sich natürlich nicht scheuen, wenn man dann mit jemandem zusammen ist, so in einer Pauschalreise zusammengewürfelt, sein Ding da durchzuziehen. Diese Scheu muss man natürlich überwinden oder auch in der Öffentlichkeit teilweise zu meditieren, das habe ich auch gemacht.
Und einmal waren wir im Jahr 2020, waren wir auf Nilkreuzfahrt. Das war auch ein schönes Erlebnis, auch kein Problem, man konnte da auch gut meditieren. Gut, mit dem Essen ist natürlich, man wird immer verführt oder die Versuchung ist groß, dann viel zu essen, weil es da morgens, mittags und abends Büffets gibt. Teilweise war dann das Problem, dass ich zu viel gegessen habe, was sich dann in der Regel dadurch gerächt hat, dass ich danach krank geworden bin. Also Überessen ist auch ein Faktor für das Krankwerden, definitiv.
Mein Bedürfnis des Reisens ist im Grunde weitgehend gestillt. Es zieht mich nicht mehr so. Ich bin jetzt fast 60 Jahre alt und habe eigentlich das meiste schon gesehen. Einige Sachen, Indien noch einmal, vielleicht noch einmal. Aber ich war dann 2016 noch einmal wollte ich eigentlich von Südamerika nach Nordamerika reisen, in einem halben Jahr, was dann aber nach zwei Wochen zu Ende war. Ich habe es gleich gespürt schon in den Buenos Aires. Irgendwie war ich abends im Bett gelegen und da haben wir gedacht, was mache ich eigentlich hier, also ich schaffe mir hier Probleme und ich muss jetzt hier von zu Ort muss ich weiter, mich da weiterhangeln. Eigentlich habe ich gar keine Lust darauf gehabt und da irgendwelche Sachen anzuschauen.
Ich hatte ja damals, wo ich so viel gereist bin, habe ich ja studiert und wollte dann Lehrer werden, woraus dann nichts geworden ist und da hatte ich immer das Ziel den Kindern natürlich dann möglichst anschaulich darüber berichten zu können, was ich selbst erlebt habe. Diese Motivation war dann weg und dann solche banalen Orte, die waren mir dann irgendwie zuwider.
Ich habe dann in den Nullerjahren oder auch 10er Jahren dann noch so Pilgerorte abgereist. Es war auch mein Ziel in meinem Verlag eine Reihe herauszubringen „Pilgern“ „Pilgereise durch Indien“ und „Pilgereise durch Russland“. Dazu habe ich ja zwei Bände herausgebracht und die wollte ich eigentlich fortführen, aber das in Amerika ging dann ziemlich in die Hosen. Dort wurde mir dann mein Rucksack gestohlen, wo ich den Beginn meiner Aufzeichnungen, die damit abhandengekommen sind. Dann Geld war noch weg. Danach musste ich nach Hause zurückkehren und damit war dann dieses Projekt gestorben und seitdem bin ich eigentlich nicht mehr so viel gereist.
Ich versuche zwar immer, einmal im Jahr ins Ausland zu kommen. Aber das ist jetzt auch nicht mehr so leicht möglich, da ich ja mit meinen Eltern an das Zuhause gebunden bin.
Lebenssinn und Lebenszweck ist natürlich zu erkennen, zu verstehen einmal. Aber wenn man genügend verstanden und erkannt hat, dann geht es vor allem auch darum, das Eigene, die eigene Erkenntnis, was man selbst erkannt hat, von dem man überzeugt ist, das nach Außen zu tragen und zu vermitteln, als Lehrer aufzutreten, in gewisser Weise, das weiterzugeben, was man weitergeben kann. Da steckt auch eine tiefe Befriedigung dahinter. Das ist mir jetzt wichtiger, als zu reisen. Wenn ich das in Verbindung bringen kann mit dem, dann ist es vielleicht noch einmal eine andere Sache. Aber jetzt eigentlich so irgendwo hinzureißen, das ist jetzt gar nicht mehr so mein Anliegen.
Es gibt viele Formen zu reisen und den Kriya Yoga zu verbinden mit dem Reisen, wie es ja Yogananda schon zu vermitteln versucht. Auch mit der Arbeit, mit dem Geschäftsleben, mit dem normalen bürgerlichen Leben, gut in Verbindung bringen kann, vereinbaren kann, so vereinbaren kann, dass sich beides befruchtet.
Das ist der Sinn des Kriya-Yoga: In der Welt zu stehen und ganz normal, äußerlich normal, natürlich schon relativ speziell, wenn man es selber macht oder eingeweiht ist in das, was stattfindet. Aber nach außen hin ist es relativ unauffällig und man kann das überall unterbringen. Es gibt überall Wege, den Kriya Yoga unterzubringen und auch befruchtend einzusetzen.
Ich kann euch nur empfehlen, zu reisen ab und zu mal oder eure Form des Reisens zu entdecken, wie es am besten geht. Also am besten war es für mich definitiv oder ist es immer mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, darin zu schlafen, unabhängig, frei zu sein. Es gibt ja diese Working-Nomads. Also das konnte ich ja mit meinem, oder kann ich jetzt mit meiner Verlagstätigkeit auch einigermaßen. Warum muss man zu Hause sein, wenn man das Gleiche auch woanders machen kann. Das ist mal ein gutes Argument und ich habe auch mehrmals die Erfahrung gemacht, wenn ich dann losgefahren bin und dann eben was Neues entdeckt habe, dann sind bei mir neue Welten aufgegangen, neue Horizonte haben sich aufgemacht und die Zweifel, die ich vorher gehabt habe …
Also meistens habe ich mich gefragt: Soll ich das wirklich machen, gerade die großen Reisen, die zwei Monatsreisen dann im Sommer immer während der Semesterferien. Aber wenn ich dann unterwegs war, hat es sich doch immer gezeigt, dass es sehr wertvoll war, unterwegs zu sein, gerade das Lernen kann man ja auch irgendwo anders machen, das muss man nicht am Studienort machen, gerade in den Semesterferien. Ich denke, es ist bereichernd und wenn man das irgendwie unterbringen kann in seinem Leben, dann soll man das auf jeden Fall mal tun.
Hari, OM, Tat, Sat. Namaste, alles Gute und Tschau.
Der heutige Song, der neunte aus dem „Ich bin eine Mönch aus einem Orden“ Album
Song: Ich bin ein Mönch 10 (stimmgewaltig w)
Ich bin ein Mönch in einem Orden,
Der mich allein zum Bruder hat,
Durch Raum und Zeit, durch Leid und Sorgen,
Führt mich mein Pfad, still und apart.
Die Welt, sie lockt mit Glanz und Streben,
Mit flüchtigem Traum und leerem Sein,
Doch jedes Tun, jedes Erleben,
Soll nur ein leiser Wecker sein.
Denn jenseits dessen, was wir fassen,
Strahlt golden hell die wahre Macht,
Die Quelle ruft uns heim ins Lassen,
Dort schwindet Trennung, Tag und Nacht.
Die große Sonne will uns leiten,
Ihr Licht ist Urgrund, Herz und Ziel,
wir irren fort durch dunkle Zeiten,
Doch ihre Strahlen rufen still.
So geh ich weiter, leise schreitend,
Durch Schatten, Licht und Erdenleid,
Die Sehnsucht führt mich heimwärts gleitend,
Zur Sonne tief in Ewigkeit.