Kurzzusammenfassung

Bernd erzählt seinen frühen Lebensweg: Kindheit und Jugend in Wellheim (Oberbayern), bäuerlich-handwerklich geprägtes Familienumfeld mit Gastwirtschaft. Er schildert die Vertreibungsgeschichte der väterlichen Linie aus dem Sudetenland, die Ansiedlung in Schwaben/Nordendorf und die Arbeit des Vaters bei der BayWa. Musikalische Prägung (Waldhorn, später Posaune; Blasmusik & Schul-Jazzband), viel Sport und Ministrantenfahrten in die Berge. In der Pubertät verliert er den kindlichen Glauben, findet über Reisen (Interrail), Lektüre (u. a. Fromm) und erste spirituelle Fragen zurück zur Suche.
Prägend wird der Zivildienst (1984–86) in der „Beschützenden Abteilung“ eines Altenheims; dort vertieft er sich in spirituelle Literatur (Luther, Steiner, Yoga) und entdeckt mit Freunden in Bonn einen esoterischen Buchladen. Der Zufallsfund „Ramakrishna and His Disciples“ begleitet ihn Jahrzehnte. Ein Mit-Zivi führt ihn in die I AM-Activity (Unveiled Mysteries, The Magic Presence, I AM Discourses) – Auslöser für konsequente Lebensänderungen (spontaner Verzicht auf Fleisch) und einen neuen Blick auf Religion/Heilige. Die Episode endet mit einem Ausblick auf Teil II und dem Song „I hob fü z’fü’G’fü“.

Strukturierte Zusammenfassung

Meine Lebensgeschichte: Von Wellheim zum spirituellen Weg – Teil 1

Liebe Freunde des Kriya Yoga,

heute möchte ich euch einen Einblick in mein Leben geben. Viele von euch fragen sich vielleicht, wer derjenige ist, der hier spricht. Deshalb habe ich beschlossen, einige persönliche Aspekte meiner Lebensgeschichte mit euch zu teilen.

Kindheit in Wellheim: Wurzeln in Oberbayern

Ich bin in Wellheim geboren, einem bescheidenen kleinen Ort im Landkreis Eichstätt in Oberbayern. Dort habe ich meine gesamte bewusste Kindheit und Jugend verbracht. Meine Familie war nicht ursprünglich ansässig – ich wurde in eine bereits etablierte Familie hineingeboren.

Meine Großeltern mütterlicherseits stammten aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands: mein Opa aus Baden-Württemberg, meine Oma aus Spalt in Franken. Die Großeltern väterlicherseits kamen aus dem Sudetenland, genauer aus Kriesdorf bei Reichenberg – eine Herkunft, die meine Familie nachhaltig prägen sollte.

Flucht und Neubeginn nach dem Krieg

Mein Vater musste mit nur sieben Jahren sein Heimatland verlassen. In einer dramatischen Nacht wurden er und seine Familie vertrieben. Das Vieh war auf der Wiese, als die älteren Schwestern verkündeten: „Morgen müssen wir unseren Hof verlassen.“ Was meine Großeltern über viele Jahre mühsam aufgebaut hatten, mussten sie zurücklassen. Sie flohen über die Grenze in die DDR.

Zehn Jahre lang lebte die Familie in einem Kalkbruch im Harz bei Wernigerode – fünf bis sechs Personen in einem Zimmer. Trotz schwerer Arbeit konnten sie sich während dieser Zeit nur ein Fahrrad anschaffen. 1955 beschlossen meine Großeltern zu fliehen. Zu dieser Zeit gab es noch keinen Grenzzaun – nur Kontrollen. Sie verließen die DDR bei einer vermeintlichen Familienfeier und siedelten sich bei Augsburg an, etwa 20 bis 30 km nördlich in Nordendorf, Schwaighof.

Berufliche Entwicklung und ländliches Leben

Mein Großvater väterlicherseits war landwirtschaftlich begabt. Er absolvierte einen Schweinezucht-Kurs und wurde Schweinemeister. Mein Vater half auf dem Hof mit, besuchte Landwirtschaftsschulen und trat später bei der Baywa ein – einem Handelsunternehmen, das Bauern mit Saatgut und Baustoffen unterstützte.

Durch seine Arbeit bei der Baywa wurde mein Vater nach Wellheim versetzt, wo er meine Mutter kennenlernte. Sie war die Tochter eines Schäfers aus Baden-Württemberg, dessen Familie regelmäßig mit ihren Herden nach Niederbayern zog. Auf einem großen Bauernhof an der Kreuzung in Wellheim wurden meine Großeltern Pächter.

Meine Großmutter, eine ausgebildete Köchin, bewirtschaftete den Hof zusammen mit meinem Großvater. Sie gründeten eine kleine Gaststätte und zeigten großes geschäftliches Geschick: ein Buchladen, ein Kleidergeschäft, Eisverkauf und später ein beliebtes Sportlerlokal. Die Landwirtschaft und Schafhaltung liefen daneben.

Aufwachsen in einer arbeitenden Familie

Ich bin 1964 geboren, habe einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Wir wuchsen in dieser aktiven, geschäftstätigen Umgebung auf. Meine Eltern ließen in den 1960er Jahren ein neues Haus bauen, in das wir 1965/1967 einzogen. Doch Freizeit war in dieser Familie ein knappes Gut. Wir halfen in der Gaststätte, machten Holz für das alte, etwa 300 Jahre alte Haus (früher ein Bischofssitz von Eichstätt), und halfen mit bei allen anfallenden Arbeiten.

Mein Großvater wurde krank, die Landwirtschaft wurde eingestellt. Meine Großmutter kochte weiter, meine Eltern halfen, und auch wir Kinder wurden früh in die tägliche Arbeit eingebunden.

Schulzeit und erste kulturelle Prägungen

Nach dem Kindergarten besuchte ich die Grundschule und später das Gymnasium in Wellheim. In der sechsten Klasse begann ich, Waldhorn zu spielen. Ein Flüchtling aus dem Sudetenland, ein Musikant, hatte eine Jugendkapelle gegründet. Zwei Jahre später kam die Posaune hinzu. Ich spielte in der Blasmusik und später auch in einer Jazzkapelle unseres Gymnasiums.

Ich war eher naturwissenschaftlich begabt. In meinen Abiturfächern wählte ich Mathematik und Wirtschaft-Recht als Leistungskurs, dazu Kunst und Biologie. Während dieser Zeit beschäftigte ich mich auch künstlerisch: Ich malte Ölbilder und arbeitete handwerklich im Haus mit – maurernd, bauend.

Spirituelle Entwicklung im Jugendalter

Wie in vielen katholischen Regionen üblich, besuchte ich als Kind regelmäßig die Kirche und diente als Ministrant. Unser Religionslehrer, Herr Hutter, war prägend für mich. Mit ihm fuhren wir mehrfach in die Berge zu Ministrantenlager – eine wertvolle Zeit.

Doch mit der fünften und sechsten Klasse verlor ich meinen kindlichen Glauben. Mit der zehnten Klasse unternahm ich eine beeindruckende Reise. Nach dem Gymnasium fuhren drei Schulkameraden und ich per Interrail durch Europa: Österreich, Paris, Spanien und Portugal. Ich wanderte sogar über die Berge von Telfs bei Innsbruck bis nach Garmisch-Partenkirchen. Diese Reise war eine prägende Erfahrung, die meinen Horizont erweiterte.

Wiedererwachen der spirituellen Suche

Nach meinem Abitur 1984 plante ich eine große Reise. Ich las Erich Fromm und beschäftigte mich mit psychologischen Schriften. Die Fragen nach Liebe, Sinn und Spiritualität wurden größer. Mit unserer Abiturfahrt nach Griechenland – mit Besuchen in Meteora und antiken Stätten – eröffneten sich neue Perspektiven.

Statt zu reisen, machte ich meinen Zivildienst ab September 1984. Ich verweigerte den Militärdienst, was damals ein Prozess war. Meine Arbeit in einem Altenheim in Stuttgart war tiefgreifend. In der Abteilung für Demenzkranke wurde mir bewusst, wie fragwürdig materielle Karrieren sind. Hochrangige Beamte und angesehene Frauen verloren ihre Identität. Dies trieb mich zu tieferen Fragen nach Sinn und Spiritualität.

Der Beginn meines spirituellen Weges

Während des Zivildienstes las ich Martin Luther, informierte mich über den Islam und beschäftigte mich mit Yoga und Rudolf Steiner. In meiner Nachtschicht hatte ich viel Zeit zum Lesen.

Ein anderer Zivildienstleistender, ein verschwiegener Pianist, gab mir schließlich drei Bücher zu lesen. Sie gehörten zur I AM-Activity – eine Reihe, die mein Leben veränderte: „Unveiled Mysteries“, „The Magic Presence“ und die „I AM Discourses“. Besonders eine Passage über Vegetarianismus bewog mich, von einem Tag auf den anderen mit dem Fleischessen aufzuhören.

Im Frühjahr 1985 fuhr ich mit meinem Religionslehrer, Herr Sebastian Herrmann, nach Assisi. Doch nun schaute ich auf die Religiosität durch ein neues Prisma – durch die Lehren der I AM-Activity. Ich begann zu verstehen, dass ich meinen spirituellen Weg neu überdenken musste.

Mit den „I AM Discourses“ öffnete sich mir eine ganz andere Welt. Ich hatte zunächst gedacht, ich müsste mich radikal von meiner Umgebung trennen – alles verkaufen und neu beginnen. Doch wie es wirklich weiterging, davon werde ich beim nächsten Mal berichten.


Ausblick: Der zweite Teil folgt

Dies war der erste Teil meiner Lebensgeschichte im Schnelldurchlauf – von meinen Wurzeln in Wellheim über Flucht und Neubeginn meiner Familie bis hin zu den ersten Schritten meines spirituellen Weges. Der zweite Teil wird zeigen, wie sich meine Reise weiterentwickelte.

Hari Om Tat Sat 🙏

Leicht korrigiertes Transkript

Liebe Freunde des Kriya Yoga. Heute werde ich etwas erzählen über meine eigene Wenigkeit. Wahrscheinlich will der eine oder andere etwas mehr wissen, von dem der hier spricht, und deshalb werde ich da etwas enthüllen.

Also ich bin in einem bescheidenen kleinen Ort, namens Wellheim, im Landkreis Eichstätt in Bayern, Oberbayern, geboren und habe da auch meine gesamte bewusste Kindheit und Jugend verbracht. Ich bin also hier in eine Familie hineingeboren, also nicht ansässig.

Mein Opa mütterlicherseits kam aus Baden Württemberg. Meine Oma, mütterlicherseits, kam aus dem Fränkischen, Spalt die Gegend. Meine Großeltern väterlicherseits kamen ursprünglich aus dem Sudetenland, Kriesdorf, bei Reichenberg, und mein Vater, der musste mit sieben Jahren, da musste er dann fliehen oder wurde vertrieben.

Er hat dann noch erzählt, ja, sie waren auf der Wiese, dann kamen die älteren Schwestern. Der Vater war auf der Wiese, hat Heu gemacht, und die Schwestern haben gesagt, ja, morgen müssen wir unseren Hof verlassen. Also die hatten da, ja, einen Hof. Mein Opa war schon 37 Jahre alt. Der musste halt dann Hals über Kopf, das, was sie sich mühsam viele Jahre aufgebaut hatten, mussten sie stehen und liegen lassen und dann gingen sie über die Grenze in die DDR.

Dort wurden sie dann zugewiesen in den Harz, in einen Kalkbruch, Hornberg, in der Nähe von Wernigerode, Elbingerrode, und dort haben dann meine Großeltern und meinen Vater zehn Jahre zugebracht, bis 1955. Dann 1955 haben sie sich dann entschlossen, rüber zu machen, also zu flüchten. Sie haben erzählt, in den zehn Jahren, in denen sie eigentlich sehr hart gearbeitet haben, da zu fünft oder sechst in einem Zimmer gewohnt haben, das einzige, was sie sich anschaffen konnten, war ein Fahrrad.

Im Westen wurden Leute gebraucht und durch Kontakte haben sie dann erfahren, was möglich ist, und dann haben sie sich entschlossen, ich glaube, eine Familienfeier oder so was, wo sie dann so, erst die Oma mit dem Enkel, und dann der Opa und dann noch die Schwestern. Dann sind sie da rüber. Also 1955 gab es noch keine geschlossene Grenze, also es gab Kontrollen, aber es gab noch keinen Zaun, Grenzzaun, und da war das noch leichter, und dann haben sie sich in der Nähe von Augsburg, so 20, 30 km nördlich, haben sie sich angesiedelt in Nordendorf, Schwaighof.

Meine Großeltern väterlicherseite waren auch Bauern. Diese Bauernfamilie, die hatten jetzt nicht mehr einen Hof, und dann, mein Großvater war, also landwirtschaftlich begabt, dann hat er, glaube ich, einen Kurs gemacht, Schweinekurs Zucht, und wurde dann ein Schweinemeister, mehr oder weniger.

Mein Vater hat dann auch auf dem Hof mitgearbeitet, hat dann Landwirtschaftsschulen gemacht. Ist dann zur Baywa (bayerische Waren). Baywa gibt es immer noch, hat sich zwar sehr gewandelt. Die hatten damals ein weites Netz von Niederlassungen, wo vor allem die Bauern unterstützt wurden mit Saatgut, mit allen möglichen Baustoffen. Das war, als es noch keinen Obi gab. Da gab es diese Baywa recht nah, also sogar bei uns in Wellheim gab es eine Baywa.

Dort hat er noch eine Ausbildung gemacht, wurde angestellt, und wurde dann mehrmals versetzt, dann auch nach Wellheim. Dort hat er dann meine Mutter kennengelernt. Also meine Mutter, die ist die Tochter eines Schäfers aus dem Baden-Württemberg. Der Schäfer ist dann immer wieder von Baden-Württemberg nach Niederbayern gezogen. Hat dann in diesem Ort, Wellheim, immer wieder seine Schafe eingestellt bei einem Bauern. Dieser Bauernhof, ein großer Bauernhof an der Kreuzung an der Straße, ein Viereckhof. Dort wurde er bekannt.

Dann ergab es sich, dass der Bauer dort verstarb, und die Bäuerin, die wollte dann den Hof verkaufen, oder weitergeben, wollte ihn nicht selber bewirtschaften, hat dann meinen Opa gefragt, weil er doch hier sich auskannte, und ja, möglicherweise so etwas wollte, hat sie ihm das angeboten. Der hat sich dann eine Frau gesucht, eine Köchin, die schon verschiedene Stellen da durchlaufen hatte, die war gerade in Eichstätt beschäftigt. Über Mund zu Mund-Empfehlung ist er auf diese aufmerksam geworden, sie haben sich kennengelernt, mit dem Ziel, diesen Hof zu übernehmen, haben sie sich dann verbunden, haben dann, ich glaube, 35, 36, den Hof übernommen. 1939 ist dann meine Mutter geboren.

Dann wurde der Hof halt weiterbetrieben, da war auch eine kleine Gaststätte dabei, die Schafe wurden noch gehütet. Also meine Mutter musste noch Schafe, mein Onkel musste Schafe hüten. Dann traf sich halt meine Mutter, so Anfang der 60er Jahre, mit meinem Vater, der in der Baywa arbeitete, gerade 300 Meter von diesem Haus entfernt. Dann kam es zu dem, was kommen musste, einer Verbindung zwischen Mann und Frau, daraus erwuchsen dann ein älterer Bruder von mir, dann ein Jahr später kam dann ich, 1964, und drei Jahre später kam noch meine jüngere Schwester, und dann waren wir eben eine fünfköpfige Familie.

Meine Eltern haben dann auch bald gebaut. Also meine Großeltern hatten hier ein schönes Anwesen, das nach dem Krieg … Es war nicht einfach, das hochzubringen. Aber die Geschäfte liefen dann zumindest relativ gut. Es wurden viele Flüchtlinge einquartiert aus den Ostgebieten. Mit der Zeit leerten sich dann die Räume. Geld war immer da, weil meine Großeltern geschäftstüchtig waren.

Also meine Oma hat hier einen Buchladen angefangen, ein Kleidergeschäft. Dann haben sie noch Eis verkauft, dann haben sie eben die Gaststätte gehabt, dann waren sie das Sportlerlokal. Dann haben sie die Landwirtschaft nebenbei gehabt. Meine Eltern wollten dann bauen. Dann wurde ein Bauplatz gekauft von meinem Opa. Er hat ihn ihnen dann besorgt. Darauf haben sie dann begonnen, in den 60er Jahren ein Haus zu bauen, in das wir dann so 65, 67 dann eingezogen sind.

So wuchs ich halt heran, in so einer klein bügerlichen, bäuerlichen Umgebung. Mein Opa wurde dann bald krank. Die Landwirtschaft musste dann eingestellt werden. Meine Oma hat dann weiter gekocht, und die Wirtschaft betrieben. Meine Mutter musste mithelfen, mein Vater musste mithelfen, und ich als Kind, wir mussten dann auch bald mithelfen. Wir mussten auch immer Holz machen, das war ein altes Haus, ein 300 Jahre altes Haus, früher mal ein Bischofssitz von Eichstätt, eine Sommerresidenz. Dort habe ich einen Großteil, auch meiner Zeit verbracht. Also ein großer Hof, die hatten anfangs noch Hühner. Dann wurde meine Oma auch älter, dann wurde das auch immer mehr abgebaut.

Ich bin dort auf die Schule, zuerst Kindergarten, dann Schule, Grundschule, Gymnasium, und mit der 6. Klasse war das ungefähr, da habe ich dann angefangen, Waldhorn zu lernen, denn einer dieser Flüchtlinge aus dem Sudetenland, also Egerland, das war ein Musikant, und der hatte hier eine Musikkapelle aufgemacht. Dann kam es im Streit, dann hat er eine Jugendkapelle gegründet, und hat die ganzen Jugendlichen da aufgefordert, einzutreten, damit er den Älteren Konkurrenz machen konnte.

Ich habe zuerst Waldhorn eben so ein Begleitinstrument gelernt, und dann zwei Jahre ungefähr später habe ich dann mit Posaune begonnen, Zugposaune.

Ich habe dann da in der Jugendkapelle gespielt, Blasmusik, und dann auch in der Jazzkapelle, im Gymnasium. Ich war mehr naturwissenschaftlich begabt, also sprachlich nicht so gut. Ja die Schulzeit: Ich habe mich schon reingehängt, also ich habe viel gelernt, habe auch einigermaßen gute Noten gehabt, aber der Überflieger war ich jetzt nicht.

Mit meiner spirituellen Entwicklung: Man musste halt als Kind hier am Ort, musste man da in die Kirche gehen, regelmäßig sonntags. Dann war es üblich, dass man Ministant war als Junge, und dann gab es einen, unser Religionslehrer, den Herrn Hutter, der war sehr prägend. Den hatten wir auch als Religionslehrer, und der war Pfarrer, mit dem sind wir in den Ministrantenurlaub immer gefahren. Ich weiß nicht wie oft, also einige Male, fünf, sechs Mal mindestens, meistens ins Gebirge, ins Hochgebirge. Dort haben wir dann gezeltet. Das war eine schöne Zeit.

Ich habe viel Sport betrieben, also Fußball vor allen Dingen, war das bei uns. Ich habe dann mit der sechsten Klasse ungefähr, ich hatte natürlich einen kindlichen Glauben. Fünfte sechste Klasse hatte ich dann meinen Glauben verloren. Ich bin auch als Ministrant ausgestiegen, und habe dann aber so mit der elften Klasse so, in der 10. Klasse war ich auf Interrail, also nach der 10. Klasse, mit zwei Schulkameraden. Wir sind nach Österreich zuerst, dann nach Paris, dann nach Porto, Madrid, Lissabon, Madrid, dann Marseille, Italien, und dann haben wir uns getrennt in Rom. Ich bin dann noch selber weiter nach Florenz, nach Wien, und dann nach Telfs, bei Innsbruck, und bin dann über die Berge, dann nach Garmisch-Partenkirchen noch gelaufen und dann wieder zurück. Ja, das war auch eine prägende Erfahrung, da mal das Ausland kennenzulernen, andere Menschen, also wir sind, also in unserer Familie sind wir einmal nach Spanien gefahren.

Meine Mutter vermietete Zimmer bei uns zu Hause, also wir hatten immer viel zu tun, also meine Mutter ist aufgewachsen in einer sehr tätigen oder sehr schaffenden Umgebung. Also das war damals, glaube ich, üblich. Man musste arbeiten und seine Zeit nutzten, um überhaupt über Wasser zu bleiben, und sich einigermaßen was zu schaffen. Dann kam die bessere Zeit, dann ging es auch einfacher. Wir hatten auch ein arbeitsreiches Leben, weil wir dann auch immer eingespannt wurden, also in der Gaststätte. Holz machen mussten wir im Winter für meine Oma. Dann für uns natürlich auch Holz machen, dann das Haus bauen. Meine Eltern haben das eigentlich gebaut. Aber 77 haben wir dann nochmal angebaut, das Dach hochgesetzt, da haben wir noch, noch weitergearbeitet, fast bis, bis ich dann fertig war mit dem Abitur (1984).

Möglicherweise die Erfahrungen auf dem Interrail, also dort gab es einige Anstöße, auch mit den ersten … Erfahrungen waren es keine. Aber es waren halt die geistigen Auseinandersetzungen mit dem anderen Geschlecht, und in diesen Verwirrungen war ich dann auf Sinnsuche, habe das Buch gelesen von Erich Fromm „Die Kunst des Liebens“. Dann bin ich auch mal während der Vorbereitung aufs Abitur, bin ich mal auf eine Schrift, so mehr psychologische Schrift gestoßen, die hat mich richtig tief fasziniert. Damals habe ich mir dann gesagt: Ich habe jetzt keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Ich wurde wieder gläubig, war auch auf so Exerzitien mit der katholischen Kirche gegangen, mit unserem Pfarrer, so Einkehrtage. Da habe ich dann wieder ein bisschen reingeschnuppert in so Spiritualität, katholische. Ich habe dann auch ein bisschen was mitgekriegt, was so im Gespräch war. Aber ich war da für mich, und dann nach dem Abitur, hatte ich eigentlich vor, eine große Reise zu machen, und während der Abiturzeit noch habe ich schon Bücher gekauft, weil ich gedacht habe, die möchte ich dann lesen, und ich werde reisen, und dann lasse ich mir immer die Bücher zuschicken, oder nehme auch einige mit, und dann lese ich da viel auf der Reise, und habe ja auch schon eingebunden die Bücher, das waren halt von Verlagen. Ja, das war mein Ziel da zu reisen. Dann hat sich es doch anders entwickelt, ich habe dann erst mal, ja, ich habe viel musiziert, also das war mein … Jazz, war ein bisschen mein Hobby, wir waren im Mai fertig, dann sind wir nach Griechenland gefahren auf Abiturfahrt. Das war auch beeindruckend, mit dem Zug hinunter: Meteora Klöster, dann die ganzen altgriechischen Kulturstätten, die ganzen Orte, die wurden dann für mich nochmal wichtig …

Also Abiturfächer waren bei mir Mathe, Wirtschaft-Recht Leistungskurs und dann noch die anderen zwei Abiturfächer waren dann noch Kunst und Biologie. Mit Kunst bin ich ein bisschen reingekommen, dann auch mich mit Kunst zu beschäftigen. Ich habe dann gemalt, ich habe dann Ölbilder gemalt ein bisschen. Dann habe ich ja viel gelesen, aber ich habe auch schon hier im Haus rumgearbeitet, so gemaurert und so was.

Dann kam es eben zum Zivildienst. Zivildienst war damals 20 Monate. Also ich habe verweigert, da war erstmal der Prozess zu durchlaufen zu verweigern, war damals nicht so einfach, musste hinschreiben, musste dann etwas verfassen. Aber es ging dann durch und dann ging ich da auf Reisen mittels Trampen, über München, glaube ich, München und Stuttgart und dann noch nach Würzburg, wo mein Bruder gerade studierte, und dann wieder zurück. In Stuttgart habe ich dann von der Caritas ein Altenheim gefunden, das mir zugesagt hat. Das ist gerade neu eröffnet worden und da bin ich dann auch angetreten, am 3. September 1984. Dort habe ich eben 20 Monate meinen Zivildienst abgeleistet, eigentlich immer in der Beschützendenabteilung, also in der Abteilung, wo heutzutage, sagt man, Demenzkranke untergebracht sind und das war auch sehr prägend, weil dort mir doch die Fragwürdigkeit von so Karrieren und normalem Leben da bewusst wurde. Dort waren eben hohe Regierungsbeamte oder ehemals angesehene Frauen da völlig neben der Spur. Da habe ich mir natürlich gedacht, was soll das alles: Wenn das so etwas, dann das Ergebnis ist, was ist der Sinn? Da habe ich mich dann tiefer mit so spirituellen Fragen oder religiösen Fragen zuerst beschäftigt.

Ich habe dann über Martin Luther, ich bin ja katholisch erzogen worden, Martin Luther habe ich dann gelesen, dann auch über Mohammed und auch schon ein bisschen was über Yoga, so Yoga ein bisschen Bücher, ein bisschen bei Rudolf Steiner reingeschaut … Für den Zivildienst gab es so eine Schulung, eine dreiwöchige Schulung in der Nähe von Bonn, wo dann Zivildienstleistende aus ganz Deutschland zusammengekommen sind, für 3 Wochen mit so Erste-Hilfe-Kurs und so ja, verschiedene Sachen, war ein schönes gesellschaftliches Ereignis. Das war so ein altes Gemäuer mit Jugendherbergscharakter, wo man so in Sammelunterkünften war. Ich bin da 3 Wochen dort geblieben, die meisten sind nach Hause gefahren und da habe ich dann so eine Gruppe oder 2 Typen kennengelernt. Einer hieß André, der andere Thomas. Ja Thomas hieß er. Mit denen sind wir dann mal nach Bonn gefahren und in einen esoterischen Buchladen, die waren auch so ein bisschen so spirituell. Die haben dann einiges erzählt, ich war da auch schon auf dem Pfad, habe dort Thorwald Dethlefsen „Schicksal als Chance“ gelesen und weiß noch: Damals, da war ich gerade an der Frage oder hinter der Frage, gibt es Wiedergeburt oder gibt es keine Wiedergeburt? Und dann habe ich das Buch „Schicksal als Chance“ von Dethlefsen gelesen und da war für mich dann ganz klar: Es geht nicht ohne Wiedergeburt, es muss Wiedergeburt geben.

Das war dann auf diesem, wo ich dann am Wochenende auch Zeit hatte, viel zu lesen, habe ich dann, habe ich Wanderungen gemacht, alleine. Aber wir sind dann mal eben nach Bonn in einen esoterischen Buchladen. Weil ich da auch was kaufen wollte, dann aus einer Kiste mit gebrauchten Büchern, habe ich mir halt auch ein Buch geschnappt, ich weiß nicht, wie viel das gekostet hat, also auf jeden Fall nicht viel, ich glaube, so zwei Deutsche Mark waren das wahrscheinlich nicht mehr, sonst hätte ich es mir wahrscheinlich nicht gekauft. Ich hatte mir gedacht, da kann ich nicht viel falsch machen. Das Buch war auf Englisch, hieß „Ramakrishna and his desciples“.

Dieses Buch habe ich, ja mehr als 25 Jahre habe ich das bei mir zu Hause gehabt, immer herumgelegt, ein paar Mal reingeschnüffelt, nie dazu gekommen, das zu lesen. Aber dann, 2010 habe ich dann begonnen, das angefangen richtig zu lesen und dann habe ich erst gemerkt, welch eine Kostbarkeit das ist. Also da wurden schon Weichen gestellt oder wurde für mich schon Entscheidendes in die Wege geleitet.

Also da war ich dann eben in diesem Altenheim. Dorthin kam ich wieder zurück. Ich war die erste Zeit, das erste halbe Jahr war das, glaube ich, in der Nachtschicht. In der Nachtschicht hatte ich viel Zeit zu lesen. Im ersten Monat wurde ich eingeführt, dann ab Oktober war ich in der Nachtschicht, sieben Tage, elf Stunden von acht bis in der Früh um sechs Uhr. Mit so der Übergabe waren das elf Stunden. Nachtschicht war ich alleine, hatte viel Zeit zum Lesen. Da habe ich dann eben die ganze spirituelle Literatur genossen.

Ja dort war noch ein Zivildienstleistender, der schon früher angefangen hatte als ich. Das war ein Musiker, ein Pianist, der ja ein bisschen verschlossen war, ja, ein bisschen sonderbar. So einen Typen hatte ich noch nicht gekannt, aber der tat mir so geheimnisvoll mit dem, was er so las. Wenn Pause war, da habe ich dann mal gefragt, was er so liest. Er wollte nicht drüber sprechen und dann kam es doch mal so weit, dass er dann sagte, ja, wenn du, ich kann dir mal ein Bücher geben, so, war auch ein bisschen so spirituell. Das habe ich gemerkt zumindest, war dann auch wirklich spirituell, spiritueller als ich zu dieser Zeit zumindest. Und der hat mir dann drei vorbereitende Bücher gegeben. Das war so nach Weihnachten, also Anfang 85 drei Bücher, die ich lesen sollte. Und wenn mir die … dann sollten wir darüber reden. Dann haben wir darüber geredet. Dann habe ich gesagt, ja, haben wir gefallen. Gut, und dann hatte ich gesagt, ja gut, dann kannst du jetzt mal die anderen Bücher haben.

Und das waren die drei Bände der I AM-Activity: Unveiled Mysteries. Also zuerst bekam ich „Unveiled Mysteries“, da habe ich dann gelesen, dann „The Magic Presence“ und schließlich die „I AM Discourses“. Da bin ich richtig reinversunken. Bei Magic Presence war ein Abschnitt über Fleischessen und welchen Vorteil Vegetariertum hat. Dann habe ich von einem auf dem anderen Tag aufgehört, Fleisch zu essen.

Im Frühjahr bin ich dann auch noch mit meinem Religionslehrer, dem Herrn Sebastian Herrmann, nach Italien gefahren. Der ist immer mit der Gruppe nach Assisi zu Ostern. Also dann hatte ich Urlaub genommen und bin dann die Osterwoche, also Kar-Woche, mit nach Italien runtergefahren, mit dem Bus. Dann haben wir in so einem kleinen Bauernhaus einem verlassenen Bauernhaus, haben wir da in so Gruppenräumen übernachtet. Dort haben wir schöne Ausflüge gemacht, war sehr prägend oder sehr schön auf jeden Fall, mit so Veranstaltungen, dass wir Kirche gefeiert haben gemeinsam, dass wir gewandert sind und dann auch den Ostersonntag zugebracht haben. Also schönstes Wetter.

Da war ich aber dann schon in der I AM-Activity drin und habe dann einen ganz anderen Blick auf die Religiosität und auf den Katholizismus auch gehabt, auf Heilige. Und konnte mir da schon mehr erklären und da bin ich dann immer tiefer eingestiegen. Dann habe ich diese Bücher gelesen, die „I AM -Discourses“, was ja eine ganz andere Welt ist. Das war für mich natürlich schwierig, das in Einklang zu bringen mit dem, was ich so, wie ich so aufgezogen wurde und habe dann eigentlich gedacht, ich müsste mich jetzt radikal von meiner Umgebung so trennen, müsste jetzt alles verkaufen und ja, ich war da ein bisschen radikal.

Wie es aber weitergeht, würde ich sagen, das sage ich dann beim nächsten Mal. Das war jetzt der erste Teil meiner Lebensgeschichte, so im Schnelldurchlauf. Und der zweite Teil kommt dann ein ander mal. Hari Om Tat Sat.

Der heutige Song von Bernd Prokop mit biografischen Elementen lautet:

I hob fü z’fü’G’fü (bayerisch: Ich habe viel zu viel Gefühl)

I hock am Bankerl hint’m Haus,
da Wind geht leis, da Hund is aus.
Da Kopf is stü, doch’s Herz is laut,
weil i so vü gspür, wos ka Mensch so braucht.

Da Blick geht auffi in’d Nocht,
und i frog mi, wer wohl üb’a mi wacht.
Da Moond, der grinst – er kennt mi guad,
er woaß, wie’s is, wenn’s Herz ned ruahd.

I gspür a Liab, bevor’s noch kimmt,
a Träna, bevor’s richtig stimmt.
Da Mensch geht weita – i bleib steh,
weil i mit jedem Blick z’vü seh.

D’Weuld is laut, i bin oft stumm,
drum kimm i mir so oandas vor – so dumm.
I red mit Gott in meiner Ruah,
und er sog nix – aba i hör zua.

I hab fü zfü gfü, sog i zart,
mei Herz is groß, doch oft z’schwer zum Trogn.
Doch i würd’s ned tauschn, ned für koan Preis,
weil’s gfühln is wia Leben – schmerzlich, aber gscheid.

I hab fü zfü gfü, I hab fü zfü gfü,

I hab fü zfü gfü,, I hab fü zfü gfü,

I hab fü zfü gfü.